Sommerhitze, Wochenende – raus aus der Stadt! Zwei stabile Schönwetter-Tage stehen vor der Tür und meine Sehnsucht nach alpiner Berglandschaft zieht mich fort. So lande ich spontan im Stubaital: Nur zwei Tage, die sich aber vom ersten Moment an anfühlen wie ein richtiger Kurzurlaub – Erholung für Auge, Geist und Seele, Freiheit und Wanderglück pur!

Tourenplanung – die Qual der Wahl

Das Wochenende naht, es ist bestes Wetter vorhergesagt – einen Sommertag in der Stadt verbringen? Oder sich mit ganz München am überfüllten Badesee tummeln? Mir ist nach Erholung, aber auch Bewegung. Und wenn ich genau in mich hineinhöre schreit es nach “ALPEN!” Aber eine Tagestour (mit 9-Euro-Ticket-vollen Nahverkehrszügen) bei Hitze zwischen Latschen und in brüchigem Kalk? Lockt mich gerade gar nicht. Wovon ich träume? Vor meinem inneren Auge sehe ich blühenden Almrausch, tosende Bäche und klaren Bergseen; schmale Pfade, Granitblöcke, feste Felsgrate und Gipfel mit Gletscherblicken. Da bleibt nur eins: Alpenhauptkamm!

Doch wo komme ich schnell und einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln dahin, so dass es sich für ein Wochenende lohnt? Spontan fällt mir das Stubaital ein, das perfekt mit Bus angebunden ist. Und siehe da: Ein Blick auf die Karte erinnert mich daran, dass es im Stubaital noch allerlei Gipfel zu entdecken gibt, die ich noch nicht kenne.

Bleibt noch die Frage nach der Hüttenübernachtung: Wo gibt es so kurzfristig noch freie Plätze? Schon der erste Anruf ist erfolgreich: Auf der Sulzenauhütte komme ich für eine Nacht noch unter. Perfekt. Erleichtert und glücklich über meine spontane Entscheidung buche ich den Flixbus München – Innsbruck und retour und packe meinen Rucksack …und bin richtig stolz auf diese schnelle und einfache Planung – ganz entgegen meiner üblichen, meist tagelangen Entscheidungsqualen 😉 .

Umweltfreundliche Anreise von München ins Stubaital

Mit dem Vogelgezwitscher stehe ich auf und radl zum Münchner Busbahnhof an der Hackerbrücke. 5:00 Uhr Abfahrt mit dem Flixbus nach Innsbruck. Mit etwas Verspätung zwar aber bequem und entspannt schlafend chauffiert er mich ohne Zwischenhalt bis Innsbruck. Wenige Meter weiter am Bahnhofsvorplatz fährt alle 30 min der Bus 590 ins Stubaital. Eventuelle Wartezeit lässt sich wunderbar mit frischem Kaffee und leckeren Backwaren versüßen. In 1:10 Stunde erreicht man dann die Haltestelle “Grawa Alm“, eine der letzten Haltestellen vor Talschluss und Talstation der Stubaier Gletscherbahn. Bei der langen Strecke inklusive Brennerautobahn sind die 12,10 € Fahrpreis voll in Ordnung.

  • 5:00 Uhr Abfahrt Flixbus München ZOB
  • 8:05 Uhr (ohne Verspätung wäre auch 7:35 Uhr möglich) Abfahrt Bus 590 Richtung Neustift i. St.
  • 9:15 Uhr (ohne Verspätung wäre auch 8:45 Uhr möglich) Ankunft Stubaital – Grawa Alm

Alle Infos zu Fahrzeiten, Haltestellen und Preisen gibt es hier:
Fahrpläne Stubaital | Tourismusverband Stubai Tirol
Startseite – ÖBB (oebb.at)

Aufstieg zur Sulzenauhütte – WildeWasserWeg Stubai

Von der noch morgendlich stillen, idyllischen Grawa Alm (1535m) entscheide ich mich für den linken Weg am Wasserfall vorbei. Er ist “schwarz” markiert und ich frage mich zunächst warum, habe ich ihn doch als leichten Hüttenaufstieg in Erinnerung. Aber das ist Jahre her. Nach den ersten “Stufen” wird mir klar: Der Weg ist zwar leicht, aber erfordert doch volle Konzentration: Auf glitschigen Holzstufen und -leitern führt er über die schlammigen Passagen hinweg – und derer gibt es viele. Aber der Blick auf den riesigen tosenden Wasserfall ist grandios!

Mit noch einigen anderen Wanderern geht es so zügig aufwärts bis zur Materialseilbahn und kurz darauf der Sulzenau Alm (1847m). Wunderschön liegen die urigen Holzhütten eingebettet in ein weites Hochtal, das von grünen Felswänden mit rauschenden Wasserfällen umringt ist. Nachdem sich das Wasser dort hinunterstürzt, plätschert es gemütlich im mäandernden Bachbett zwischen saftigen Wiesen in dieser weiten Fläche dahin. Und über den Felsen erhascht man sogar einen Blick auf den schneebedeckten Gletscher in der gleißenden Sonne. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Zum Glück hat die Sulzenau Alm noch geschlossen (öffnet im Juli), so dass ich nicht hier schon bei Kaffee und Kuchen hängen bleibe.

Immer mit schönem Blick auf Tal, Bach und Wasserfälle und im Duft des blühenden Almrauschs (jaaa! Genau wie ich es mir erträumt hatte 🙂 ) führt der Pfad in Serpentinen über die Waldgrenze. Schneller als gedacht erreiche ich die Sulzenauhütte (2191m), eine perfekte Aussichtsloge: Sie liegt direkt an der Felskante über dem Wasserfall und blickt zur einen Seite ins Tal hinunter, zur anderen auf die Gletscherzunge, die von den Gipfeln rund um Wilder Freiger, Wilder Pfaff und Zuckerhütl hinabfließt.

  • 11:00 Uhr an Sulzenauhütte (1:30 h, offiziell eher 2:15 h)
  • knapp 750 Höhenmeter

Blaue Lacke – Bergsee und Ausflugsziel

Eigentlich ist es zu früh zum Mittagessen, aber da ich später keinen Zeitdruck haben möchte, um Punkt 18:00 Uhr zum Abendessen auf der Hütte zurück sein zu müssen (noch dazu bei schönstem Abendlicht dann womöglich in der vollen Stube zu sitzen), warte ich bis es ab 11:30 Uhr Essen gibt und genieße die Hüttenterrasse. Bei angenehmen, fast kühlen Temperaturen (verglichen mit der Sommerhitze im Inntal und in der Stadt) und tollem Bergblick lasse ich mir das Schnitzel mit Pommes schmecken. Die Portion ist gut, und ich frage mich, wie ich jetzt so vollgefuttert überhaupt noch irgendeinen Berg hochkommen soll. Ein Espresso hilft ein wenig, und so ziehe ich, nachdem ich noch kurz “eingecheckt” habe, wieder los.

Neben der Hütte geht es über den beeindruckenden Gletscherbach, der über wunderschöne rötliche Gletscherplatten rauscht und sich dann in einer tiefen Schlucht eingräbt. Weiter auf die zum Teil schon leicht bewachsene Moräne und zur Blauen Lacke begegnen mir noch einige Tageswanderer. Die Blaue Lacke (2289m) ist ein wunderschöner Bergsee, der eigentlich zur Rast einlädt. Umgeben von Granitblöcken (jaaa! 😉 ), zwischen denen Almrausch und allerlei duftende Blumen sprießen, liegt er wunderschön da. Schreiend wagen sich ein paar Wenige mit einem Sprung sogar hinein in das kalte Wasser. Sie haben ihren Spaß.

Aperer Freiger (3262m) – ein stiller Gipfel im Stubaital

Ich ziehe aber daran vorbei, mich mit dem Gedanken motivierend, dass ich ja im Abstieg wieder daran vorbeikomme – und dann eine wohlverdiente Rast dort einlegen kann. Weiter führt der gut markierte Pfad die Moräne hinauf bis zu einem Wegweiser, wo sich die Route gabelt: Links geht es zum Aperen Freiger, rechts zum Lübecker Weg auf den Wilden Freiger. Man könnte wohl auch rechts herum wieder auf die Route zum Aperen Freiger stoßen, aber links sieht landschaftlich verlockender aus als der Moränenschutt rechts.

Direkt an der Abzweigung liegt ein wunderschönes Seenauge, ganz still und klar. Zwischen einem großen Granitfelsen und saftig grünem Moos mit weißen Blüten und pinken Blumenpolstern fließt leise gurgelnd Wasser in den kleinen See. Und wie ein Fenster zum Tal öffnet sich der Granitfelsen wo das Wasser wieder hinausfließt. Außer mir ist niemand mehr unterwegs hier oben, ich genieße (noch) die Stille und Einsamkeit – und genau diese Landschaft: Alpenhauptkamm! 🙂

Über den Felsen leiten mich die Markierungen nun, manchmal etwas verwirrend und nicht ganz in logischer Linie, aber doch gut über grasdurchsetzte Felsstufen und Blöcke zum “Aussichtspunkt” (ca. 2800m), einer Erhebung mit Blick in die Fernerstube, den Gletscher, der im Kessel vom Wilden Freiger herunterzieht.

Schöner Blockgrat I+ und innere Zweifel

Kurz geht es gemütlich auf dem Aussichtsrücken entlang, bevor schließlich der Gipfelgrat ansteigt. Zunächst bin ich regelrecht euphorisch bei den schönen festen Granitblöcken (jaaa! Blockgrat 😉 ), doch mit zunehmender Kraxelei merke ich die Müdigkeit und auch die Höhenmeter (und vielen Stufen) in den Beinen. Auch die Höhe (über 3000m) macht sich doch bemerkbar und ich muss langsamer steigen. Hinzu kommt der Faktor Psyche: Längere Zeit in ausgesetztem Gelände zu kraxeln mit keiner Menschenseele weit und breit in Sicht- oder Rufweite setzt mir doch etwas zu und ich muss gut in mich hineinhorchen, ob ich weiter will oder nicht. Aber ich weiß auch, dass ich objektiv dem Gelände absolut gewachsen bin, und der Grat ist bestens markiert.

So rede ich mir gut zu und steige konzentriert weiter. Doch das Ziel will nicht wirklich näher kommen. Aber so kurz vor dem Gipfel aufgeben? Andererseits warum sich quälen? Und lockt nicht die Abendsonne an der Blauen Lacke? Warum mache ich das hier eigentlich? Zweifel schleichen sich ein aber der Ehrgeiz siegt. Ich setze mir eine Zeit, zu der ich spätestens umkehre, um noch mit genug Puffer bei Hellem wieder die Hütte erreichen zu können. Und siehe da: Schneller als gedacht (15:30 Uhr) erreiche ich den oberen Grat und Gipfel – und bin froh, mich durchgerungen zu haben.

Einsamer Gipfel hoch überm Stubaital

Völlig alleine sitze ich auf dem Gipfel (3236m) und schaue auf die umliegenden Berge und Gletscher(reste) von Wildem Freiger, Wildem Pfaff, Zuckerhütl und in die Ferne. Der Blick erfüllt mich mit gemischten Gefühlen, denn der Anblick ist traurig: Die Gletscher sind extrem zurückgegangen, fast komplett aper schon jetzt im Juni! Die Klimaerwärmung ist hier so deutlich zu sehen und spüren, sie verändert rasend schnell die Landschaft, und es fällt mir schwer, bei dem Anblick nicht pessimistisch in die Zukunft zu blicken.

Etwas unruhig bin ich auch, da ich die Zeit und den Abstieg im Hinterkopf habe. Denn das Ziel ist schließlich nicht, den Gipfel zu erreichen, sondern auch heile wieder runterzukommen. So erfordert der Abstieg nochmal volle Konzentration und Kraft, aber fällt mir viel leichter als befürchtet. Zügig erreiche ich wieder das einfachere Gelände – und wieder macht sich Euphorie in mir breit. Beschwingt (auch von der Erleichterung?) spaziere ich abwärts, mich aber zu voller Aufmerksamkeit mahnend. Denn gerade wenn man meint, das Schwierige hinter sich zu haben, passieren ja oft die kleinen Fehler.

  • 1050 Höhenmeter ab Hütte
  • ca. 3 h im Aufstieg, ca. 2 h im Abstieg (mit langen Pausen im Abstieg dann länger)
  • bis zum “Aussichtspunkt” mittelschwer
  • Grat (250 – 300 Höhenmeter) leichte Kletterei I+, gut markiert
  • einsam

Abendsonne, Badesee und Picknick

Beflügelt von Glücksgefühlen und überwältigt von der Schönheit der Landschaft in der Abendsonne erreiche ich wieder die Blaue Lacke. Jetzt liegt sie schön still, keine schreienden Ausflügler mehr, und die Hüttengäste sitzen schon in der Stube in Erwartung des Abendessens. Nur zwei Sonnenuntergang-Anbeter begegnen mir noch – angeblich auf dem Weg zum Wilden Freiger, aber mir schien eher dass sie sich verlaufen hatten. Ich hoffe, sie wollten nicht biwakieren in der Höhe und bei der nächtlichen Kälte. Zumal auch die Natur dann irgendwann ihre Ruhe haben will von den Menschen.

Das Wasser ist kalt, aber das kurze Bad tut gut. Erfrischt und glücklich setze ich mich auf einen warmen Stein am Ufer und genieße die letzten Sonnenstrahlen. Mit dem Sonnenuntergang habe ich auch mein Abendbrot vertilgt und schlendere zur Hütte. Nach all der Stille und Einsamkeit freue ich mich sogar, in der vollen Hüttenstube auf Menschen zu treffen und mich noch eine Weile gesellig zu unterhalten bevor ich mich ins Lager zurückziehe. (Zum Glück habe ich zufällig meinen Daunenschlafsack mit, denn die strenge Chefin der Sulzenauhütte vergibt Decken nur gegen 5,- € Reinigungsgebühr – angeblich wegen Corona, aber Kissen ohne Bezug gibt es… mag sich jeder selbst sein Urteil bilden.)

Guten Morgen am Großen Trögler (2902m)

Nach kurzer Nacht mühe ich mich wieder um 4:30 Uhr aus dem Schlafsack. ‘Warum so früh?‘ frage ich mich selbst. Aber spätestens als ich um 5:00 Uhr im wunderschönen Morgenlicht zum Großen Trögler unterwegs bin, weiß ich warum: Vögel flattern aufgeregt über den Tagesbeginn zwitschernd um mich herum. Der Blick ins Tal hinaus bis ins Stubaital und weiter auf die Karwendelkette liegt im Morgendunst. Beim langsamen Höhersteigen beobachte ich den Sonnenaufgang. Schon bald erreichen die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel. Die Felsen von Wildem Pfaff und Zuckerhütl beginnen golden zu leuchten, die Gletscher tauchen langsam ins Licht – es ist für mich der absolut magischste Moment am Tag. Dafür lohnt das frühe Aufstehen, und die Müdigkeit nach der kurzen Nacht ist – naja, nur fast – vergessen.

In vielen Kehren führt der Pfad steil den Wiesen- und Schrofenhang hinauf bis auf einen flacheren Kamm, wo mich die Schafe begrüßen. Ausgesetzt aber unschwierig geht es z.T. an Drahtseilen gesichert über ein paar schöne Felsen zum Vorgipfel des Kleinen Tröglers und wenige Meter weiter zum Großen Trögler (2902m). Wieder ist kein Mensch unterwegs und ich habe den Gipfel ganz für mich allein. Diesmal macht mich das nicht unsicher, sondern es erfüllt mich eine tiefe innere Ruhe.

Das Panorama vom Großen Trögler ist sagenhaft! Der Nahblick auf den Gletscher von Zuckerhütl und Wildem Pfaff fast direkt auf Augenhöhe ist überwältigend. Zwar blickt man nach hinten auch ins Stubaitaler Skigebiet, aber das kann ich gut ausblenden und die Gipfelschau dennoch genießen. Ich bleibe recht lange sitzen und sauge den schönen Blick regelrecht in mich auf.

  • 810 Höhenmeter ab Hütte, 2h
  • mittelschwer bis schwer
  • ein einsamer Panoramagipfel par excellence

Dresnder Hütte (2308m) – Skizirkus Stubaital im Sommerschlaf

Die Vorfreude auf einen Kaffee auf der Dresdner Hütte (2308m) treibt mich irgendwann weiter. Der Abstieg vom Großen Trögler nach Westen ist allerdings weniger schön. Nicht schwierig aber recht langweilig geht es auf einem Pfad steil im Schutt in Kehren hinunter bis unten endlich wieder schöne grüne Wiese das Auge erfreut. Man darf allerdings den Blick nur auf die Füße oder die Gipfel richten: Dazwischen liegt das verunstaltete Gelände des Stubaier Skigebiets.

Aber man ist schnell entschädigt: Die Dresdner Hütte ist noch ein schöner älterer Bau, die Landschaft danach durchaus idyllisch. Doch aus meinem Kaffee wird leider nichts: Die Hütte ist erst ab 30.6. wieder geöffnet. Erst denke ich ‘schade’, doch dann wird mir bewusst, wie schön ruhig ich es wiedermal habe ohne auch nur einen einzigen weiteren Wanderer um mich. So genieße ich die Stille auf einer Bank an der Kapelle, fülle an einer Quelle etwas oberhalb meine Wasserflasche und genieße: “Eiskaffee“! Naja, nicht ganz, aber es schmeckt erstaunlich köstlich und angenehm kühl: Instant-Espresso-Pulver mit kaltem Quellwasser geshaked. Hätte ich noch Schnee zur Hand…

Egesensee (2500m), Mutterberger See (2479m) – Badeparadies Stubaital

Überrascht von der landschaftlichen Schönheit, setze ich mich kurz ans Ufer des ruhigen Egesensees (2500m, wenig oberhalb der Dresdner Hütte). Er ist nicht groß aber wäre tief genug für ein Bad – zumal er angenehme Badetemperatur hat. Doch meine Füße und Beine sind müde, noch ausgelaugt von gestern, und ich weiß: Wenn ich jetzt länger Pause mache schaffe ich es nicht mehr, mich bis zum Mutterberger See aufzuraffen. Und den will ich jetzt unbedingt noch sehen.

Nach einem kleinen Joch geht es wieder abwärts und ein Stück über die hässliche und unangenehme Schotterstraße des Skigebiets, bevor wieder ein schöner schmaler Pfad in der Wiese abzweigt. Wieder überrascht die schöne Landschaft: tosende Wasserfälle, gurgelnde Bächlein, Almrausch und Granitbauklötze zwischen Blumen und Heidelbeeren (zum Glück nicht reif – sonst käme ich hier nicht weit 😉 ).

Die Landschaft motiviert mich. Und als ich einen ersten anderen Wanderer vor mir entdecke, beeile ich mich ein wenig, um noch vor dem vermeintlichen Mittagsansturm (der aber ausbleibt) am See zu sein. Nach einem Auf und Ab erreiche ich eine Art Kuppe – und da liegt er vor mir: der Mutterberger See (2479m) – wunderschön!

Die stille friedliche Stimmung (weit drüben am anderen Ufer nur ein einsamer Schwimmer), der große klare See, die Berge ringsum – ich kann diese Schönheit gar nicht in Worte fassen.

Abstieg ins Stubaital und Alm-Genuss

Für den Abstieg ins Stubaital wähle ich den Weiterweg vom Mutterberger See (eine Art Rundweg). Steil geht es hinunter in das nächste Hochtal, das mich wieder einmal völlig überrascht: Eine grün schimmernde Hochmoorlandschaft mit vielen glitzernden Seenaugen und plätscherndem Bach – diese Vielfalt und Naturschönheit so nah am Skigebiet hätte ich nie erwartet.

Über weiche bunte Wiesen, vorbei an weiteren Wasserfällen und später durch lichten Wald geht es in großem Bogen hinunter ins Stubaital. Meine Füße schmerzen und die Hitze nimmt zu als ich endlich den Parkplatz der Talstation der Stubaier Gletscherbahn erreiche.

Die riesige zugepflasterte Fläche ist hässlich und strahlt eine ungeheuerliche Hitze zurück. Als krönender Abschluss einer so schönen 2-Tages-Tour denkbar ungeeignet. Also nehme ich meine letzte Kraft zusammen und wandere noch auf dem idyllischen Spazierweg am Bach entlang zurück bis zur Grawa Alm. Bei Topfenstrudel und frischer Buttermilch auf der Almterrasse, mit Blick auf den mächtigen Wasserfall, lasse ich die vielen wunderschönen Eindrücke der letzten Stunden und Tage nachwirken.

  • Sulzenauhütte – Gr.Trögler – Dresdner Hütte – Mutterberger See – Grawa Alm
  • sehr lange Runde mit einigen Kilometern
  • insgesamt ca. 1225 Höhenmeter Aufstieg + ca. 1760 Höhenmeter Abstieg
  • empfehlenswerte Einkehr auf der Grawa Alm

Entspannte Rückfahrt mit Bus und Eis-Pause

Um nicht in Stress zu kommen, nehme ich bereits den Bus um 16:30 Uhr ab Grawa Alm zurück nach Innsbruck. Noch ein Plausch mit der super netten Busfahrerin, und ich fühle mich einfach nur glücklich, entspannt und wohl aufgehoben in dieser Welt.

Zeitig erreiche ich Innsbruck Hauptbahnhof, wo ich mir in der Hitze noch ein Eis gönne (Sonntags ist im Bahnhof hier das meiste inkl. M-Preis Supermarkt geöffnet). Um 19:15 Uhr pünktlich fährt mich dann der Flixbus ab Südbahnstraße (weniger Meter weiter vom Hauptbahnhof) gemütlich zurück nach München. Berge und Wiesen ziehen in der Abendsonne vorbei, und im recht leeren Bus schlummere ich bald zufrieden ein.

Fazit: Den eigenen Wünschen folgen

Nachdem auch ich nicht immun bin gegen die Social Media Sucht und den eigenen Perfektionismus, war das Wochenende für mich eine gute Lehre: Statt zu schauen, was andere machen, die Ohren sich selbst gegenüber spitzen und genau hinhören, was ich selbst eigentlich möchte. Wo zieht es mich hin, welche Art von Landschaft und Touren erfüllen mich? Und zweitens: Ich muss nicht das Optimum finden. Die nächstbeste Idee ist oft die Beste – oder mindestens genauso gut ;-).

Tourentipps

Wenn ihr auch Fans von dieser Art Landschaft seid und das Stubaital noch mehr entdecken wollt, findet ihr im Rother Wanderführer Stubaital-Wipptal schöne Touren. Von Hütten zu Hütte geht es auf dem Stubaier Höhenweg, den ihr u.a. im Rother Wanderführer Trekking im Stubai und in der Rother Selection Hüttentrekking Ostalpen findet.

Noch mehr Berichte von Touren aus unserem Team könnt ihr hier lesen.

Ich wünsche euch allen viele schöne persönliche Bergerlebnisse!
Eure Gesine, aus dem Rother Marketing

Autor

Gesine ist im Rother Bergverlag für das Marketing zuständig. In ihrer Freizeit ist sie leidenschaftlich in den Bergen unterwegs – am liebsten auf Hochtour oder in leichtem Kraxlgelände. Dabei mag sie es gern einsam und auch mal weglos; Winterräume und Zelt sind ihr lieber als Komfort-Hütten. Was nicht heißt, dass sie einem großen Stück Kuchen oder leckeren Schnitzel nach der Tour abgeneigt ist ;-). Und wenn es für einen Gipfel auch noch ins geliebte Italien geht, umso besser!

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