Die Lüneburger Heide ein Honigland? Ja, das ist sie ihm wahrsten Sinne! Denn die lila blühende Heide ist nicht nur ein Paradies für Wanderer sondern auch für Bienen. Darum hat die Bienenhaltung in der Lüneburger Heide eine entsprechend lange Tradition. Und bis heute ist Heidehonig nicht nur bei Feinschmeckern begehrt. Auch seine gesunden Eigenschaften machen ihn weltweit beliebt.

Bienenzaun in der Lüneburger Heide (c) Wolfgang Schwartz
Bienenzaun in der Lüneburger Heide (c) Wolfgang Schwartz

Die »Bienenzäune« in der Lüneburger Heide

Es gibt kaum eine Tagestour in der Heide, auf der man nicht auf einen der typischen »Bienenzäune« stößt. Doch was hat es damit auf sich? Auf vielen Rundwegen in der Lüneburger Heide begegnen einem diese hölzernen Bauten. Sie dienen als Schutz für die zahlreichen Bienenkörbe.

Früher wurden die Bienen in Körben gehalten, die aus Stroh und Wurzeln geflochten und mit Mist überzogen wurden. Zur Blütezeit der Heide wurden sie in ca. 2 Meter hohe, hölzerne Schutzbauten gestellt – die sogenannten »Bienenzäune«. Diese Holzbauten sind mit einem Stroh-, Ziegel- oder Schindeldach bedeckt und bieten so Schutz. Doch die traditionellen Körbe sieht man immer seltener. Denn heute werden für die Bienenhaltung meist Kästen verwendet.

Naturinformationshaus Niederhaverbeck Lüneburger Heide (c) Wolfgang Schwartz
Naturinformationshaus Niederhaverbeck Lüneburger Heide (c) Wolfgang Schwartz

Im Honigland

150 Bienenflüge für ein Honigbrot – was sind das für fleißige Tierchen! Millionen Bienen schwirren während der Blütezeit der Heide im August und September durch die Landschaft und sammeln den berühmten Honig ein. Dabei produzieren die etwa 20.000 Bienen eines Stockes ca. ein Kilogramm Heidehonig. Dafür fliegen sie etwa 4 Millionen Blüten an. Hierfür wiederum müssen sie eine Strecke von rund 150.000 Kilometern zurücklegen – das ist ein Drittel bis ein Viertel der Entfernung zum Mond! Da können wir Wanderer nicht mithalten, egal wieviel Honig wir essen ;-).

Der Honig aus der Lüneburger Heide mit seinem intensiven herben Aroma ist besonders gesund. Er wird nicht nur wegen seiner antibakteriellen und antiviralen Eigenschaft geschätzt, sondern soll auch bei Arthrose helfen. Ganz günstig ist er nicht, doch der hohe Preis hat seine Berechtigung. Denn Heidehonig ist von der Konsistenz gelartig und kann daher nicht so einfach geschleudert werden wie andere Sorten. Das Lösen dieses dickflüssigen Honigs aus den Waben ist arbeitsaufwendig – aber jede Mühe wert.

Bienen als »Haustiere« der Lüneburger Heide

Bienenhaltung hat eine lange Tradition in der Lüneburger Heide. Schon seit der Römerzeit und bis ins 19. Jahrhundert hinein war sie von wichtiger wirtschaftlicher Bedeutung für die Region. Doch die Honigbienen produzierten als Haustiere der früheren Heidebewohner nicht nur Honig, sondern auch Wachs. Schließlich war dies bis ins 19. Jahrhundert hinein eine wichtige Lichtquelle.

Allerdings ist für die Produktion von Wachs die vier- bis zehnfache Menge Honig nötig. Wenn man bedenkt, dass für die Hauptkirche von Wittenburg im 15. Jahrhundert ein jährlicher Verbrauch von 35.000 Pfund Bienenwachs für Kerzen belegt ist, kann man erahnen, wieviel Bienenfleiß dafür nötig war.

Blütezeit in der Lüneburger Heide (c) Wolfgang Schwartz
Blütezeit in der Lüneburger Heide (c) Wolfgang Schwartz

Wanderurlaub in der Lüneburger Heide

Die Heide ist ein perfektes Urlaubsziel, wenn man mal richtig in die Ruhe der Natur eintauchen möchte. Lila blühende Heide, reetgedeckte Häuser, Bienenzäune und die knuffigen Heidschnucken-Schafe – die Lüneburger Heide ist ein Paradies, um so richtig abzuschalten. Sie ist die größte zusammenhängende Heidefläche in Europa und das erste Naturschutzgebiet Deutschlands. Ein ideales Wanderrevier.

Besonders zur Blütezeit der Heide im August, bzw. Ende Juli bis Anfang September, ist sie absolut einen Besuch wert. Bei gutem Wetter kann man den Bienen beim Nektarsammeln zuschauen. In Niederhaververbeck, nahe dem Wilseder Berg, informiert die Ausstellung »Bienenwelten« über die fleißigen Insekten und deren Bedeutung für die Heide. Dort beginnt auch der empfehlenswerte Wildbienen-Erlebnispfad als Rundweg mit 16 Stationen.

Wer sich für die zahlreichen Honigprodukte interessiert, sollte unbedingt das Honigfest besuchen. Es findet alljährlich Ende September in Wietzendorf statt, mit mehr als 100 Ausstellern und 10.000 Besuchern. Aber auch abgesehen von Honig und Bienen bietet die Lüneburger Heide zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen.



Mit den 50 Touren im Rother Wanderführer »Lüneburger Heide« lässt sich diese einzigartige Landschaft wunderbar erkunden. Von gemütlichen Rundtouren bis zu ausgiebigen Tagestouren ist für jeden Geschmack die richtige Tour dabei. Dazu gibt es Tipps zu Unterkunft und Anreise, sowie Kartenausschnitte und alle nötigen Infos, sowie GPS-Tracks zum Download.

➠ Übrigens: Dies ist der stolze 400. Wanderführer in der Rother Reihe!

Rother Wanderführer Lüneburger Heide
Rother Wanderführer Lüneburger Heide
Rother Wanderführer Heidschnuckenweg
Rother Wanderführer Heidschnuckenweg


Wer so richtig in die Heide eintauchen möchte, dem sei der »Heidschnuckenweg« empfohlen. Dieser Weitwanderweg führt vom Süden Hamburg durch den Naturpark Lüneburger Heide bis in das niedersächsische Fachwerkstädtchen Celle. Ausgezeichnet als »Qualitätsweg wanderbares Deutschland« gehört er zu den rund 15 »Top Trails of Germany«.

Der Rother Wanderführer »Heidschnuckenweg« stellt die zwölf Etappen sowie zwei Varianten des Weitwanderwegs vor. Außerdem beschreibt er die »Heideschleifen«, zwölf weitere Rundwanderungen entlang der Hauptroute, die 2022 ganz neu eröffnet werden. Jede Etappe ist detailliert beschrieben, mit Kartenausschnitt und allen wichtigen Infos. Auch gibt es Tipps zu Übernachtung und Einkehr sowie zu Verbindungen mit Bus und Bahn.

Autor

Gesine ist im Rother Bergverlag für das Marketing zuständig. In ihrer Freizeit ist sie leidenschaftlich in den Bergen unterwegs – am liebsten auf Hochtour oder in leichtem Kraxlgelände. Dabei mag sie es gern einsam und auch mal weglos; Winterräume und Zelt sind ihr lieber als Komfort-Hütten. Was nicht heißt, dass sie einem großen Stück Kuchen oder leckeren Schnitzel nach der Tour abgeneigt ist ;-). Und wenn es für einen Gipfel auch noch ins geliebte Italien geht, umso besser!

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