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Auszeit! Einmal zu Fuß über den Alpenhauptkamm wandern, mehrere Tage durch die Alpen von Hütte zu Hütte, Etappe für Etappe, weit weg von Alltagssorgen und dem Trubel im Tal nur sich selbst und die Natur erfahren – das ist ein einmaliges Erlebnis! Auf einer Alpenüberquerung kann man wunderbar die Einfachheit genießen, das Gehen, und natürlich auch das Ankommen auf gemütlichen Hütten, mit netten Begegnungen und oftmals überwältigenden Sonnenauf- und -untergängen so hoch oben. 

Doch welche Route soll man wählen?

Wieviele Tage sich Zeit nehmen? Da gibt es beliebte Klassiker über den Alpenhauptkamm wie den Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran, aber es bieten sich auch andere Routen an. Einige unserer Autoren haben sich auf die Suche nach ebenso spannenden wie auch einsameren Alternativen gemacht, auf denen man in gut eingeteilten Etappen die Alpen überqueren kann. Je nach Dauer, Höhenmetern und Schwierigkeit kann man so die für die eigene Kondition und gewünschte Anzahl Tage die passende Route über die Alpen wählen. 

Der Klassiker: E5 Oberstdorf – Meran (Konstanz – Verona)

Der Fernwanderweg E5 ist wohl die bekannteste und beliebteste Alpenüberquerung. In 31 Etappen von Hütte zu Hütte geht es von Konstanz am Bodesee über den imposanten Alpenhauptkamm bis ins italienische Verona. Die meisten beschränken sich allerdings auf die Variante von Oberstdorf bis Meran: In nur sechs Etappen wandert man hier durch die Alpen:

Vom lieblichen grünen Allgäu über hohe Pässe mit eindrucksvollen Gletscherblicken und glasklaren Bergseen bis ins genussreiche Südtirol. In Meran erwartet einen nach den vielen Höhenmetern mediterranes Klima und italienisches Urlaubsflair – der perfekte Abschluss einer beeindruckenden Bergwoche und das perfekte Gegenstück zu Oberstorf.

Direkt zum Wanderführer “Alpenüberquerung E5”

Südtirol #2: Meraner Höhenweg

Zwar nicht komplett die Alpen überquerend, aber ebenso eindrucksvoll am Alpenhauptkamm entlang führt der Meraner Höhenweg in 5 bis 6 Tagen einmal rund um die bzw. durch die Texelgruppe hoch über Meran. Aus dem südlich-warmen Tal bei Rabland, Partschins, mit seinen sonnigen Weinhängen, geht es auf den ersten Etappen etliche Höhenmeter hinauf in Hochgebirgsregionen rund um die Stettiner Hütte am Eisjöchl, mit 2.900 Metern dem höchsten Punkt der Runde (am Übergang ins benachbarte Schnalstal).

Auf der Route bieten sich immer wieder malerische Bergbauernhöfe für eine genüssliche Einkehr, übernachtet wird mal auf Hütten, auf Almen und in Pensionen. Der Rother Wanderführer beschreibt die klassischen Etappen ebenso wie mögliche Unterteilungen und Varianten sowie zahlreiche Gipfelabstecher.

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Kurz und knackig: Alpenüberquerung von Berchtesgaden nach Lienz

Während viele Transalp-Klassiker oft schon überlaufen sind, haben unsere Autoren eine neue Route über die Alpen auskundschaftet abseits der Massen, die alle Wünsche an eine Alpenüberquerung erfüllt: Landschaftserlebnis, nette Hütten, überschaubarer Aufwand. Im Rother Wanderführer »Alpenüberquerung Berchtesgaden – Lienz« präsentieren sie ihre »Entdeckung«.

Auf den Etappen vom Königssee am Fuß des Watzmanns durch das Steinerne Meer in den Berchtesgadener Alpen, über die Salzburger Schieferberge, die Hohen Tauern mit dem Großglockner als Highlight und die stille Schobergruppe bis in die »Sonnenstadt« Lienz mit ihrem südlichen Flair zeigen die Ostalpen ihre schönsten Seiten.

Die Hauptroute über den Alpenhauptkamm ist gut in neun bis zehn Tagen zu schaffen; für ambitionierte Bergsteiger gibt es Tipps für anspruchsvollere Varianten, mehr Höhenmetern und Gipfelbesteigungen. Und falls das Wetter mal nicht mitspielt: Auch alternative Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten werden beschrieben.

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Alpenüberquerung bequem: Tegernsee – Sterzing

Eine leichte Alpenüberquerung für Genusswanderer: Die Route»Tegernsee – Sterzing« ist eine ideale Alpenüberquerung für all jene, die schon immer davon geträumt haben, sich aber bisher nicht getraut haben, zu Fuß über die Alpen zu gehen. In nur neun leichten bis mittelschweren Etappen geht es von Gmund am Tegernsee über den Alpenhauptkamm nach Österreich und Italien.

Dabei geht es jeden Tag durch neue Bergwelten der Alpen: das liebliche Alpenvorland rund um den Tegernsee, die faszinierende Welt der Tuxer und Zillertaler Alpen und am Ende das fast mediterran anmutende Südtiroler Städtchen Sterzing. Alpine Erfahrungen sind bei den Etappen nicht zwingend notwendig – auf guten Wegen und Steigen geht es in moderate Höhen. Übernachtet wird meist in Pensionen im Tal. Wer ganz unbeschwert wandern und genießen möchte, bucht eine Pauschale mit Gepäcktransport.

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Genuss pur in Kärnten – Slowenien – Italien: Der AlpeAdriaTrail

Der AlpeAdriaTrail ist weit mehr als ein Weitwanderweg durch die Alpen: Er ist eine genussvolle und erlebnisreiche Entdeckungsreise durch die Regionen Kärnten, Slowenien und Friaul-Julisch Venezien und zugleich ein kulturelles und kulinarisches Erlebnis.

Am Fuß des Großglockners beginnt der rund 650 Kilometer lange Weg mit Blicken auf die Gletscherberge der Hohen Tauern. Weiter verläuft der AlpeAdriaTrail gemütlich durch die Kärntner Berg- und Seenwelt, durchstreift Slowenien mit der sagenhaft türkiesblauen Soca und dem Triglav-Nationalpark, und führt schließlich über die Weinberge Friauls an die Adria bei Triest. Der Rother Wanderführer »AlpeAdriaTrail« stellt alle 41 Etappen mit seinen über 20.000 Höhenmetern, allen Infos, Tipps zu Kulinarik und Sehenswürdigkeiten vor.

Direkt zum Wanderführer

Tourenplanung leicht gemacht: Alpenüberquerungen und Fernwanderwege mit den Rother Wanderführern

Welche Route für die Alpenüberquerung will man wählen? Wieviele Tage, wieviele Etappen und welche Schwierigkeit kann man sich zutrauen? Wo übernachtet man bei der Alpenüberquerung? Was und wie packt man seinen Rucksack? Die Rother Wanderführer eignen sich perfekt zum Planen und für unterwegs. Aktuell, kompakt und zuverlässig geben sie alle wichtigen Informationen.

Detaillierte Wegbeschreibungen, Kartenausschnitte mit eingezeichnetem Routenverlauf, aussagekräftige Höhenprofile mit Wegpunkten, Höhenmetern und Zeitangaben sowie klare Beschreibung der Anforderungen machen die kleinen roten Büchlein zum perfekten Begleiter auf eurer Alpenüberquerung. Für die Planung und Durchführung gibt es zu jeder Etappe alle notwendigen Informationen zu Unterkunft, Einkehr und Anschlüssen an den ÖPNV. Zum Planen und Loslaufen – GPS-Download inklusive!

Weitere Anregungen für eure Alpenüberquerung gesucht?

Auf Outside Stories findet ihr nützliche Informationen zu eure Alpenüberquerung, ob schnell oder langsam. Noch mehr Routen mit unzähligen Etappen über die Alpen gibt es auf rother.de.

Zu Fuß die Welt entdecken: Mit den Jakobswegen wurden alte Pilgerwege durch ganz Europa wieder neu belebt. Sie bieten Wanderern eine ganz besondere Möglichkeit, sich selbst, der Natur, dem Land, der Kultur und anderen Menschen zu begegnen. Lest hier den anregenden Gastbeitrag von Cordula Rabe, selbst begeisterte Jakobsweg-Wanderin und Autorin zahlreicher Jakobswegführer:

Mit Jakobus auf Entdeckungsreise – ein Gastbeitrag von Cordula Rabe

Via de la Plata_2Ich lebe in einer kleinen Hafenstadt am Mittelmeer. Hier ist viel von der Freiheit und der Unabhängigkeit beim Segeln die Rede, vom Zusammenspiel von Mensch und den Gewalten von Wind und Wasser. Mich persönlich überkommt bei der Vorstellung, mehrere Tage auf einem nur wenige Quadratmeter großen Boot verbringen zu müssen, ein Gefühl des Eingesperrtseins. Eine Reise auf dem Segelboot stelle ich mir so vor: Hafen am Anfang,  Hafen am Ende, dazwischen Wasser. Viel Wasser, morgens, mittags, abends, nachts. Bei Flaute Stillstand. Bei Sturm … das will ich mir gar nicht ausmalen.

Wie viel abwechslungsreicher ist eine Wanderung auf einem der Jakobswege! Das ist für mich Erleben mit allen Sinnen. Auf dem Küstenweg des Nordwegs gibt es auch Etappen von Hafen zu Hafen. Dort sehe ich an einem Tag das Meer, Wälder, Berge, Bergdörfer. Ich rieche Salzwasser, Frühlingsblüten, den erdigen Geruch von frisch gepflügten Äckern, von regennassem Waldboden. Ich kann auf einen Plausch am Wegesrand stehen bleiben, im Schatten eines Baums pausieren, ein kühles Bier in der Dorfbar genießen. Auf einem Segelboot wäre all das nicht möglich.


Gelber Pfeil, Rucksack und Pilgermuschel: Mehr brauch es zum Pilgern auf den Jakobswegen nicht.  


Immer dem Pfeil nach

Eines der faszinierendsten Dinge am Jakobsweg ist für mich sein “Navigationssystem”: der schlichte gelbe Pfeil. In den 80er-Jahren markierte der galicische Pfarrer Elías Valiña damit erstmals den spanischen Teil des Jakobsweg ab der französischen Grenze. Die erstbeste und günstigste Farbe, die er zur Hand hatte, war gelbe Straßenmarkierungsfarbe. Heute sind Tausende von Kilometer der vielen Jakobswege in Spanien mit dem gelben Pfeil versehen, er prangt an Bäumen, Häusern, Laternen, Strommasten, auf Asphalt, auf Felsen. Er ist DAS Markenzeichen des Jakobswegs.

Dabei ist er mehr als nur eine Wegmarkierung. Wie Harry Potters Bahnsteig 9¾ zeigt er den Zugang in eine Parallelwelt. Ihn am Beginn einer Wanderung  zu sehen, ist jedesmal ein Gänsehaut-Moment. Das war so bei meiner ersten Wanderung auf dem Jakobsweg, als ich frühmorgens von Roncesvalles aufbrach und noch überhaupt keine Vorstellung davon hatte, was mich in den nächsten Wochen erwarten würde, und es ist noch immer so, wenn ich selbst nach vielen Wegen und zum wiederholten Mal etwa an der Kathedrale von Sevilla stehe und weiß, dass sagenhafte 1000 km vor mir liegen.

Durch den gelben Pfeil durfte ich die kontrastreichen Facetten der Iberischen Halbinsel kennenlernen. Jahrhunderte alte Kathedralen und die moderne Architektur des Guggenheim-Museums in Bilbao. Weltoffene, vitale Städte wie San Sebastián, Pamplona oder Salamanca und Dörfer etwa in der tiefsten Extremadura, mit Bars,  in denen nur Männer palavern und im Fernsehen Stierkampf läuft. Er hat mich durch die mächtigen Pyrenäen geführt und zum tosenden Atlantik, wir sind zusammen durch die Weinberge der Rioja gewandert und durch zauberhafte südspanische Korkeichenwälder, er war oft einziger Begleiter in den endlosen Weiten der kastilischen Meseta, bei so mancher Passüberquerung hat er mir Mut zugesprochen. Ja selbst durch den Norden Portugals hat er mich schon geleitet.

Im Mittelalter versetzten prächtige Kathedralen die Pilger in Staunen,
heute sind es moderne Bauwerke wie das Guggenheim Museum in Bilbao.

So lange der gelbe Pfeil da ist, ist alles gut, fühle ich mich geborgen und sicher.

Hier in der Provinz Alicante gibt es Zubringerwege zum Camino del Sureste, dem Südostweg quer durch Spanien bis Santiago. Sehe ich beim Wandern einen gelben Peil, ist es wie einen lieben alten Bekannten zu treffen. Und es faszniert mich immer wieder, dass ich ihm 1200 km quer über die iberische Halbinsel bis vor die Kathedrale in Santiago und darüber hinaus an die Atlantikküste bei Finisterre oder Muxía folgen könnte.


Burgos: Die fast 800 Jahre alte Kathedrale von Burgos ist einer der Höhepunkte am Camino Francés.


Guten Etappen, schlechte Etappen

Selbstverständlich ist nicht jeder Tag auf dem Jakobsweg ein genüsslicher Spaziergang. Manchmal zwickt und zwackt es am Körper, sind die Beine schwer, das Gemüt ebenso. “Bad-Backpack-days”, an denen der Rucksack einfach nicht bequem sitzen will. Klamme, kalte, nasse Regentage oder brütende Hitze. Lange Strecken durch Industriegebiete und deprimierende Vorstädte. Nervende Mitwanderer, unfreundliche Kellner … Natürlich gehen mir an solchen Tagen nicht nur von Blütengirlanden umrankte Gedanken durch den Kopf.

Dennoch kam es mir nie in den Sinn, Etappen per Bus zu überspringen. Nur die Gambas von der Paella fischen gilt nicht, der Rest muss auch gegessen werden. Durchhalten lohnt sich, denn meist schickt Jakobus just in den grauesten Momenten eine versöhnliche Geste. Wenn der Rucksackriemen just vor dem einzigen Schuhmacher im Umkreis von vielen Kilometern reißt, und der uralte Schuster mit einer noch älteren Singer das moderne Nylon flickt. Ein unerwartetes Lächeln, ein freundliches Wort, das den Regentag erhellt. Oder ein Farbenspektakel, wenn plötzlich die Sonne durch die Wolken bricht. Das bleibt als Erinnerung, der Rest verblasst zur Anekdote.


Immer wieder stempeln gehen

Nordweg
Nordweg

Natürlich geht auch der Jakobsweg mit der Zeit. Selbst an den abwegigsten Orten gibt es inzwischen WLAN; viele junge Pilger sind scheinbar mehr in den sozialen Netzwerken als auf dem Weg unterwegs. Dennoch hat sich der Pilgerweg noch wunderbar altmodische Eigenheiten bewahrt: die Pilgermuschel als Erkennungszeichen, die “Credencial”, den Pilgerpass. Seit dem Mittelalter weist er die Pilger als solche aus, berechtigt sie heute zur Übernachtung in den Pilgerherbergen, ist für den Erhalt der “Compostela”, den Nachweis über die vollzogene Pilgerreise notwendig. Mindestens einmal am Tag wird das Dokument abgestempelt, in der Herberge, in Kirchen oder an besonderen Orten. Im Laufe der Wanderung entsteht ein buntes Mosaik verschiedener Motive und Farben, alle mit Ort und Datum versehen. Den Pilgerpass zu verlieren, ist eine mittlere Katastrophe, denn er ist mehr, als sein Stück Papier: ein einzigartiges Zeugnis dieser besonderen Wanderung, ganz analog, nirgends sonst gespeichert.


Ein Hoch der Langsamkeit

In einer immer schnelleren Zeit ist es nicht zuletzt die Langsamkeit des Reisens, die mich am Fernwandern begeistert . Die maximale Geschwindigkeit ist über Wochen das Schritttempo. Entfernungen werden nicht in Stunden, sondern in Tagen berechnet. Das verändert auch die Wahrnehmung. Prächtige Kathedralen hatte ich schon vor dem Jakobsweg gesehen, doch erst wenn ich mich ihnen wie die Pilger vor hunderten von Jahren nach wochenlanger Wanderung  zu Fuß nähere, aus der gleißenden Sonne in den kühlen, stillen Halbschatten trete, entfalten diese Monumente gotischer Baukunst ihre wahre Wirkung, viel intensiver, als wenn ich einfach mit dem Auto angebraust wäre.

Die Welt zu Gast bei Jakobus

Gelber Pfeil, Pilgermuschel, Pilgerpass, vielfältige Landschaften – das alles macht den Jakobsweg zu etwas ganz Besonderem. Doch er wäre nichts ohne die vielen, vielen Menschen, die sein jahrhundertealtes Erbe lebendig halten. 2015 registrierten sich im Pilgerbüro von Santiago de Compostela Pilger aus 178 verschiedenen Nationen – insgesamt gibt es nur rund 200 Länder auf der Erde. Wenn sich nach einer langen Etappe eine bunte, internationale Truppe zum Abendessen zusammenfindet, Pilger aus ganz unterschiedlichen Ländern, Alte, Junge, Frauen, Männer, und alle irgendwie miteinander kommunizieren, dann ist der Jakobsweg auch eine kleine, friedliche Oase, in der das einvernehmliche Miteinander, die Völkerverständigung gelebte Realität sind. Kurzum, in den oft schlimmen Zeiten, in denen wir leben, ein unschätzbar wertvolles Gut.

Pilgerkochen: Neben dem Wandererlebnis zeichnet den Jakobsweg das friedliche Miteinander von Menschen aus aller Welt aus.


Ob – wie Hape Kerkeling – auf dem Französischen Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela oder auf anderen Routen oder Teilstrecken in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Portugal: Entdeckt euren eigenen Weg in der großen Auswahl der Rother Jakobswegführer >>

Gastbeitrag von Tine und Steffi vom Blog campingkorrespondent

Alpine Mehrtagestour: Meraner Höhenweg

Bei Tine und Steffi vom Blog campingkorrespondent fing alles mit einem blauen VW Bulli Syncro an. Sechs Wochen und 8.000 Kilometer später stand für die beiden fest: So und nicht anders wollen sie reisen. Dass sie aber auch immer noch genügend Zeit für ausgedehnte Weitwanderungen finden, kann man in ihrem Blog nachlesen. Besonders begeistert sind sie vom Meraner Höhenweg – lest selbst:

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Wir lieben diesen Höhenweg. Er hat das Zeug zum Missionar. Denn wir sind überzeugt davon, dass dieser Weg selbst sture Wandermuffel zum Staunen bringt. Wetten?

Der Meraner Höhenweg ist in einem Wort: perfekt. Perfekt für eine Woche Abenteuer. Perfekt, weil er in den wenigen Tagen ein Feuerwerk an Erlebnissen zündet. Perfekt, weil er eine moderate konditionelle Leistung abverlangt. Nach sechs Etappen – und keinem Tag Muskelkater – sind wir Freunde. Forever.

Jede der sechs Etappen ist anders, jede ist eigen. Das werden Stephan, mein Wanderbegleiter und ich schnell feststellen. Wir starten an einem wolkenlosen Tag in den wohl schönsten Panoramaweg, der auf seinen gut 90 Kilometern alle Wanderbedürfnisse kombiniert: Hoch- und Mittelgebirge, Wasserfälle, Nadelwälder, auf kargen Steigen und in den Fels geschlagenen Pfaden.

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Wir sind mit dem Zug nach Meran gereist und haben erstmal in einer kleinen Pension eingecheckt. Früh am nächsten Morgen nehmen wir den Bus, hoch nach Dorf Tirol und steigen dort in die Gondel zur Bergstation Hochmuth auf 1.361 m. Wir sind oben und bleiben es auch die nächsten Tage.
Die Sonne im Nacken, Meran zu unseren Füßen wandern wir los Richtung Giggelberg, unserem ersten Etappen-Ziel. Wir gehen im Uhrzeigersinn, so nehmen wir langsam an Höhe zu und wandern die ersten beiden Tage die mediterrane Südseite des Höhenweges entlang. Das Panorama und der wolkenlose Himmel lassen keinen Zweifel: hier sind wir richtig. Unser Blick schweift über das Meraner Becken bis weit ins Vinschgau mit dem Ortler. Der Gletscher glitzert in der Sonne. Das erinnert mich an die Puzzlebilder meiner wanderbegeisterten Oma, die in ihrem schiefen Treppenhaus hingen. Am ersten Abend gönnen wir uns ein Doppelzimmer mit eigenem Bad. Der Gasthof Giggelberg liegt auf 1.563 m. Zur Belohnung bestellt sich jeder ein Knödeltris. Es wird nicht das letzte bleiben.

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Am nächsten Morgen steigen wir begeistert in die zweite Etappe, die uns über den 1.000-Stufen-Weg, ein paar Leitern und eine hübsche Hängebrücke ins Schnalstal nach Katharinaberg bringt. Gestern haben wir den höchsten Punkt der Südseite gemeistert, heute fließt der erste Schweiß. „Was sucht´s ihr?“ ruft uns eine ältere Frau mit Schürze entgegen. „Den Untervernatsch-Hof,“ antworten wir. „Dann kommt´s. Ihr seid am Ziel.“ Das alte Bauernhaus der Familie Mair steht hier seit 1248. Mindestens. Wenn das Haus reden könnte … Stephan und ich haben aber erstmal Ruhebedarf – und Hunger. In der Bauernstube serviert die Bäuerin unterm Herrgottswinkel. Es gibt: Knödeltris. „Ihr seid´s ja Vegetarier. Also Knödel für alle heut.“ Stephan und ich haben den Eindruck, die anderen Wanderer am Tisch hatten sich auf einen deftigen Braten nach Großmutters Art gefreut – vor allem das Paar, das den Höhenweg in drei Tagen umjoggen will.

Etappe 3 führt uns bergan bis hoch zum Eishof. Der liegt einsam im Talkessel vom Pfossental. Die Etappe ist kurz, weil wir nicht direkt ins Hochgebirge aufsteigen werden. Also nehmen wir uns Zeit für die Jausenstationen am Wegesrand. Zum Glück. Denn so entdecken wir den Mitterkaser. Die Wirtin kreiert ausgefallene Gerichte, gern in Zusammenarbeit mit Sterne-Köchen aus der Region. Und sie bewirtschaftet die Alm traditionell mit Milchvieh und Schwein. Ein Wohlfühlort. Dann langsam weiter und weiter ins Pfossental hinein, über Kuhweiden am Bachlauf entlang, bis wir am Horizont sehen, was uns morgen erwartet: die weißen Gipfel der Texelgruppe. Wir werden das Eisjöchl überqueren.
Doch für heute steht erstmal Bettenlager auf dem Programm. Wir haben wieder Glück und haben es ganz für uns allein. Die kichernde Reisegruppe nebenan ist nur durch die dünnen Wände zu hören. Zur Vesperzeit gibt es? Richtig! Ich weiche daher auf eine Nudelsuppe aus. Stephan bleibt bei der Knödel-Tris-Diät.

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Am Morgen des vierten Tages begrüßt uns dichter Nebel. Als wir starten wissen wir also noch nicht, dass oben sogar eine Schneeballschlacht möglich sein wird. Auf acht Kilometern überwinden wir fast 900 Höhenmeter. Der Weg ist gut präpariert und wir erreichen das Eisjöchl auf 2.895 m bei klarem Himmel. Ein Rundblick wie aus dem Bilderbuch. In der Stettiner Hütte wärmen wir uns mit heißer Suppe, bevor es stoisch abwärts geht über Geröll und Trampelpfade. Das schlaucht. Zugegeben. Dass es auf dem gesamte Weg heute nur diese eine Jausenstation gibt, fällt uns erst gar nicht auf. Wir sehen uns wohl an der überwältigenden Landschaft satt. Das Doppelzimmer im Gasthof-Zeppichl ist dann der ideale Abschluss für diesen anspruchsvollen Wandertag. Müde fallen wir in die Betten.

Die letzten beiden Tage geht sich der Weg fast wie von selbst. Die Gipfel sind genommen. Jetzt laufen wir sozusagen zur Kür zurück bis nach Hochmuth, wo wir vor sechs Tagen gestartet sind. Und die gesamte Zeit über bewegen wir uns in einem ideal komponierten Auf und Ab zwischen 1.000 m üN bis gut 3.000 m üN und finden unseren Takt. Stephan voran, ich hinterher – weil ich so gern in die Gegend, auf Gipfel und nach Gämsen gucke.

Als wir noch eine Nacht in einem Zimmer an der Hochmuth-Bahn nehmen erzählt die freundliche Wirtin, „Sie hatten ja großes Glück. Diese sechs Tage waren die ersten, die in diesem Jahr schön und sonnig waren. Davor hat es nur geregnet.“ Ich erwähnte ja bereits: der Meraner Höhenweg ist perfekt. Und das mit dem Knödel-Tris ist auch nur halb so eintönig, wie es vielleicht klingen mag. Sehen wir es so, aufs Jahr gerechnet macht das 0,016 Knödeltris am Tag.

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Ratschlag: Fragt euch vorher, welche Etappen ihr gehen wollt? Wo wollt ihr übernachten? Welche Jausenstationen liegen günstig am Weg? Was muss ins Gepäck? Wie reist ihr am besten an? Antworten findet ihr mit Hilfe des Rother Wanderführers „Rund um Meran“.  Unser Wanderführer ist auch als e-Book erhältlich.

Wir wünschen euch auf eurer Wanderung viel Sonne und Freude. Wir hatten sie vom ersten bis zum letzten Schritt. 2015 feierte der Meraner Höhenweg übrigens sein 30. Jubiläum. Wir sagen: Hin mit euch und anschließend mit dem Camper tiefer ins Vinschgau vorstoßen und in Mals entspannen, einem der schönsten Campingplätze, die wir je besucht haben.

Dieser Artikel erschien erstmalig auf dem Blog von campingkorrespondent am 27. Juni 2015: https://campingkorrespondent.wordpress.com/2015/06/27/sudtirol-meraner-hohenweg/.
Fotos (c) Stephanie Lachnit / Camping Korrespondent

Christof Herrmann, Autor des neuen Rother Wanderführers »Alpenüberquerung Salzburg – Triest«, ist wie kein anderer ein Kenner beim Thema Fernwandern. In seiner Freizeit ist er immer und überall unterwegs, schreibt Tourenführer und berichtet von seinen Erlebnissen auf einfachbewusst.de. Lasst euch von seiner Begeisterung fürs Weitwandern anstecken und lest hier seinen Blogbeitrag:

Bild 1_Rother_Alpenueberq Salzburg Triest_Etappe07 In den Salzburger Schieferalpen_Copyright Stephanie Spoerl
„Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge.“ (Miguel de Cervantes)

Wandern ist mobile Meditation

Ich wandere für mein Leben gern. Beim Wandern bin ich der Natur so nah und kann ich mich so schnell entschleunigen wie bei keiner anderen Fortbewegungsart und Freizeitaktivität. Die landschaftlichen Reize und leisen Töne der Natur ersetzen die alltäglichen Reize wie Computer, Musik, Fernsehen, ständige Erreichbarkeit und Betriebsamkeit, Straßenlärm und Menschenansammlungen, die uns nach und nach krank machen. Die Langsamkeit und Natürlichkeit wirkt auf mich meditativ. Wandern ist mobile Meditation. Ich empfinde dies besonders in anspruchsvollem Gelände, etwa wenn ich in den Alpen einen Berg erklimme und mich dabei auf meine Schritte und Atmung konzentriere. Stehe ich schließlich auf dem Gipfel, ist mein Kopf frei und mein Herz offen. Ein derartiges Glücksgefühl hat man unten im Tal respektive im Alltag nicht so schnell.

Königsdisziplin Fernwandern

Das Fernwandern ist so etwas wie die Königsdisziplin des Wanderns. Es ist auch unter dem Begriff Weitwandern bekannt und bezeichnet eine mehrtägige oder mehrwöchige Tour, bei der man jede Nacht an einem neuen Ort schläft. Im Laufe der Zeit überbrückt man große Strecken. Ganze Länder können per pedes durchquert und kennengelernt werden. „Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert“, sagte schon Goethe. Da ich flexibel bleiben möchte, reserviere ich möglichst keine Unterkünfte. Beim Aufbrechen am Morgen weiß ich meist nicht, wo ich abends lande. In unserer geregelten Welt hat das etwas Abenteuerliches.

Reich wie ein Scheich und frei wie ein Vogel

Beim Fernwandern komme ich meinem Ideal eines minimalistischen Lebens am nächsten. Alles, was ich in den Wochen unterwegs benötige, passt locker in einen 32-Liter-Rucksack. Alles, was ich in dieser Zeit zu tun habe, ist mich fortzubewegen, mich zu (ver)pflegen, eine Bleibe für die Nacht zu finden und mich hin und wieder bei meinen Lieben zuhause zu melden. Obwohl ich also kaum etwas bei mir habe, fehlt es mir an nichts. Ich fühle mich reich wie ein Scheich und zugleich frei wie ein Vogel. Diese Erfahrung kann einen lehren, auch nach der Rückkehr einfacher zu leben und sich wieder mehr den für einen selbst wichtigen Dingen zu widmen.

Oft ganz unverhofft: Begegnungen mit Menschen

Wie im Alltag sind auch auf Fernwanderungen Begegnungen mit Menschen das Salz in der Suppe des Lebens. Startet man als Paar oder in einer Gruppe, gibt es reichlich Gelegenheit, sich auszutauschen. Ist einem der Austausch zu reich, kann man sich an der nächsten Steigung dezent zurückfallen lassen. Ich bin auch mehrmals alleine gestartet. Einsam habe ich mich nie gefühlt. Zum einen war stets Leben in Form von Flora und Fauna um mich herum, zum anderen kam es oft ganz unverhofft zu Begegnungen. Ein Bauer auf dem Feld, mit dem ich ein paar Worte wechseln konnte. Ein Hüttenwirt, der Interessantes über seine Bergregion erzählte. Ein Wanderer, der in die gleiche Richtung ging. Ist man auf einem Fernwanderweg unterwegs, kann es sein, dass dieser Wanderer das gleiche Etappenziel oder sogar das gleiche Ziel der gesamten Tour hat. Ich freue mich immer, auf ein bekanntes Gesicht zu treffen. Mit manchen bin ich tagelang zusammen gewandert, einige davon zähle ich mittlerweile zu meinen Freunden.

7 Fernwanderungen in 4 Jahren

Bild 2_Cover Alpenueberquerung Salzburg Triest

All das klingt so, als wäre ich als Fernwanderer geboren worden. Auch wenn ich seit meiner Kindheit gerne und viel wandere, war die 133 km lange Tour auf dem Nurtschweg im Frühling 2012 meine erste richtige Fernwanderung. Es war Liebe auf den ersten Schritt. Seitdem habe ich mehrere Fernwanderungen unternommen. Im Sommer des gleichen Jahres bin ich von meiner Haustüre aus nach München und weiter auf dem Traumpfad München-Venedig über die Alpen marschiert. Wie es mir dabei ergangen ist, kannst Du in meinem kostenlosen E-Book nachlesen. In den letzten drei Sommern war ich auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest unterwegs. Ich habe sie selbst ausgearbeitet und beschreibe sie in einem Wanderführer, der im Mai 2016 im Bergverlag Rother erscheint. Im gleichen Verlag gibt es bereits mein Buch über den Fränkischen Gebirgsweg, den ich im Frühling letzten Jahres gegangen bin. Heuer habe ich noch eine Tour auf dem
Pandurensteig im Bayerischen Wald gemacht.

Nach der Tour ist vor der Tour

Ich kann es kaum erwarten, 2016 wieder mit wenig Gepäck und viel Lust am Unterwegssein zu starten. Eine Tour soll mich ins Mittelgebirge führen, eine zweite in die Alpen. Ich werde mich diesmal nicht groß vorbereiten und auch keinen Wanderführer schreiben. Ich werde das um mich herum bestaunen und neugierig darauf sein, was mich hinter der nächsten Kurve erwartet. Kurzum, ich werde Vergnügen am Fernwandern haben.

Warst Du schon fernwandern? Wenn ja, wo? Und planst Du für 2016 eine Tour?

Bild 3_Rother_Alpenueberq Salzburg Triest_Etappe10 Herzog-Ernst-Spitze_Copyright Katharina Ott

Dieser Artikel erschien erstmalig auf Christof Herrmanns Blog www.einfachbewusst.de am 19. Dezember 2015.


Lust bekommen? Ober habt ihr andere Wünsche für eure persönliche Alpenüberquerung?
Wir haben hier noch mehr besondere Vorschläge für Euch: