Fernwandern in der Sächsischen Schweiz

Ein paar Tage raus in die Natur, die frische Luft des Spätsommers genießen: wer spontan noch ein Urlaubsziel zum Wandern sucht, ist im wunderbaren Elbsandsteingebirge, in der Sächsischen Schweiz, auf dem MALERWEG genau richtig! Ein Vierbeiner ist euer Begleiter? Auch dann ist der Malerweg gut machbar, wenn man weiß wie! Unsere Autorin Franziska Rößner war für Euch mit ihrer Hündin Vreni auf dem Malerwegs unterwegs.
Im Rother Wanderbuch “Wandern mit Hund Elbsandsteingebirge” beschreibt sie alle Etappen des Malerwegs detailliert und gibt nützliche Hinweise für Mensch und Hund für diesen Weitwanderweg. Zudem verrät sie Tricks und Kniffe für Alle, die mit ihrem Hund Wanderungen unternehmen wollen.

Barbarine mit Hund Vreni, Pfaffenstein, Sächsische Schweiz, Wandern im Elbsandsteingebirge
Blick auf die Barbarine, dem Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz – mit Hund auf dem Malerweg. Foto: Franziska Rößner

Mit Hund auf dem Malerweg – ein Gastbeitrag von Franziska Rößner

Pirna – unser Start auf den Malerweg

Es ist kurz nach acht Uhr. Vreni und ich sitzen in der leeren S-Bahn, und draußen rauscht die Landschaft mit den verschlafenen Dörfern an uns vorbei. Das ist er also nun, der Auftakt zu unserer lange geplanten Malerwegswanderung. Nach einer Stunde fährt unser Zug im Pirnaer Bahnhof ein. Ein freundlicher Schaffner wünscht uns einen schönen Tag, die Tatsache, dass Vreni keinen Maulkorb trägt, ignoriert er geflissentlich.

Pirna, das Tor zur Sächsischen Schweiz, wurde im Jahre 1233 erstmals urkundlich erwähnt und erlebte seine erste große Blüte während der Renaissancezeit. Die Stadt an der Elbe war damals wichtiges Handelszentrum und brachte es zu Ansehen und Reichtum. In der historischen Altstadt findet man noch heute zahlreiche wunderschöne Fassaden und Gebäude aus Gotik, Renaissance und Barock. Vor allem der Marktplatz ist ein wahres Kleinod historischer Baukunst.

Start am Canalettohaus in Pirna - mit Hund auf dem Malerweg durchs Elbsandsteingebirge
Los gehts in Pirna! In der Touristinformation im Canalettohaus erhalte ich nützliche Tipps. Foto: Franziska Rößner

Vom Bahnhof aus leiten uns Wegweiser mit der Aufschrift „Historische Altstadt“, und nach etwa einer viertel Stunde erreichen wir den Markt mit dem baugeschichtlich sehr interessanten Rathaus. Im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut, vereint es die Baustile verschiedener Kunstepochen wie Gotik, Renaissance und Barock.  Gegenüber dem Rathaus befindet sich das Canalettohaus. Seinen Namen verdankt dieses fast  500 Jahre alte Bürgerhaus  dem venezianischen Maler Canaletto, der zwischen 1753 und  1755 als Hofmaler des sächsischen Kurfürsten Friedrich August III. mehrere Gemälde mit Stadtansichten von Pirna schuf.

Heute beheimatet das Canalettohaus die Touristinformation und stellt für uns den offiziellen Startpunkt unserer Malerwegswanderung dar. Die nette Dame am Infoschalter gibt uns eine kleine Broschüre mit, in der sich auch eine Stempelkarte befindet. Auf jeder der nun folgenden acht Etappen werden wir uns an ausgewählten Stationen diesen Wanderpass abstempeln lassen. Damit haben wir die letzten Vorbereitungen für unsere Tour getroffen und begeben uns nun auf Schusters Rappen.

Dampfer auf der Elbe bei Obervogelgesang, Malerweg mit Hund, Elbsandsteingebirge, Foto: Franziska Rößner
Die historischen Schaufelraddampfer auf der Elbe gehören zur ältesten und größten Raddampferflotte der Welt. © F. Rößner

An der spätgotischen Marienkirche vorbei folgen wir dem für die nächsten 127 Kilometer mit einem geschwungenen „M“ markierten Malerweg zum Schloss Sonnenstein und wandern dann am Fuße der mächtigen Festungsmauern entlang. Der bewaldete Hang spendet Schatten, was die sommerlichen Temperaturen erträglich macht. Eine halbe Stunde später erreichen wir das Elbufer.  Auf dem asphaltierten Elberadweg geht es nun immer am Wasser entlang. Die Sonne brennt unermüdlich, und Vreni muss die ganze Zeit an der Leine laufen, weil uns immer wieder Radfahrer begegnen. Zum Glück gibt es hier mehrere Badestellen, die wenigstens bei meiner vierbeinigen Begleiterin für Abkühlung sorgen. Nach nicht enden wollenden 2,5 Kilometern erreichen wir den kleinen Ort Obervogelgesang. Hier bietet sich für Vreni eine letzte Gelegenheit, ins kühle Nass zu springen. Dabei wird sie vom Kielwasser eines vorbeifahrenden Raddampfers fast in die Flußmitte geschwemmt. Ich hätte nie gedacht, wie gefährlich diese Wellen für badende Hunde werden können. Aber zum Glück ist alles glimpflich ausgegangen, und wir steigen auf einem Pfad hinauf zur Königsnase. Diese Aussicht ist leider zugewachsen, so dass wir uns nicht lange aufhalten, sondern auf den bewaldeten Klippen oberhalb der Elbe weiter flussaufwärts wandern. Nachdem wir den kleinen Ort Naundorf passiert haben, geht es wieder hinunter ins Tal. Hier, in Pötzscha, befindet sich das Wohnhaus des Malers Robert Sterl. Der berühmte deutsche Impressionist lebte und arbeitete hier von 1919 bis zu seinem Tode im Jahre 1932. Nun folgt der letzte Anstieg unserer heutigen Tagesetappe. Es geht hinauf auf den felsigen Grat des Rauensteines. Hier führt uns ein abwechslungsreicher Steig über Treppen und Gitterbrücken bis zu einer kleinen Berggaststätte „Rauenstein„. Die Aussicht von hier oben ist fantastisch. Das gesamte Elbsandsteingebirge mit seinen Tafelbergen, Ebenheiten, Vulkankegeln und den felsigen Riffen der Schrammsteine liegt uns zu Füßen und lässt die Vorfreude auf sieben abwechslungsreiche Wandertage noch größer werden.

Vreni vor der Festung Koenigstein, Malerweg mit Hund, Elbsandsteingebirge, Foto: Franziska Rößner
Eindrucksvoll thront die Festung Königstein hoch über uns. Foto: Franziska Rößner, Malerweg mit Hund

Malerwegswanderer starten zeitig…

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, um nicht in der allergrößten Hitze wandern zu müssen. Wir lassen das kleine Dorf Weißig hinter uns und erblicken bald rechts des Weges auf einem Feld die sogenannten Eulensteine. Einst stand hier ein mächtiger Tafelberg, doch Wasser, Wind und Kälte haben davon nur noch drei kleine Sandsteinbrocken übrig gelassen, die heute als Flächennaturdenkmal ausgewiesen sind. Wir wandern weiter auf dem sonnenbeschienen Feldweg nach Thürmsdorf. Von der Aussicht am Mausoleum bietet sich ein beeindruckender Blick auf die kleine Stadt Königstein, die vom mächtigen Lilienstein zur Linken und von der Festung Königstein zur Rechten überragt wird. Diese ist auch unser nächstes Ziel. Die Burganlage, die zu einer der größten Bergfestungen Europas zählt, überdauerte mehrere Kriege und wurde während der gesamten Zeit ihres Bestehens nie eingenommen. An den gigantischen Festungsmauern vorbei führt unser Weg hinunter nach Königstein. Die Hitze ist mittlerweile unerträglich geworden, und nur langsam kommen wir auf der steilen, sandsteingepflasterten Straße vorwärts. Jahrhunderte alte Häuschen säumen diesen anstrengenden, aber sehr hübschen Weg. Bald erreichen wir den Quirl, einen großflächigen Tafelberg, auf dessen Gipfelplateau bis in 19. Jahrhundert sogar Felder angelegt waren. Am Quirl gibt es auch sehr viele Höhlen. Die größte von ihnen ist die sogenannte Diebshöhle. Das Innere der Höhle ist es angenehm kühl und lädt uns zu einer ersten kleinen Rast ein. Frisch gestärkt brechen wir jedoch bald wieder auf und umrunden den Tafelberg auf einem abwechslungsreichen Pfad, bevor uns der Malerweg direkt auf den Pfaffenstein führt. Auf dem Gipfelplateau gibt es einen steinernen Aussichtsturm, der unweigerlich an das Märchen von Rapunzel erinnert. Vom Turm aus hat man einen einmaligen Rundblick, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Außerdem lädt ein kleines Berggasthaus mit schattigem Biergarten zum Verweilen ein. Nach einem kleinen Abstecher zur berühmten Barbarine – die Felsnadel ist eines der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz – nehmen wir den Normalabstieg und verlassen den Pfaffenstein. Unten erinnert eine Tafel an den Heimatkundler Alfred Neugebauer, der in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts durch umfangreiche Ausgrabungen am und auf dem Pfaffenstein nachgewiesen hat, dass eine erste Besiedelung der Region bereits in der Bronzezeit erfolgt sein muss. Wir wandern durch Pfaffendorf weiter bis in den kleinen Kurort Gohrisch, wo wir in einer kleinen Pension unser Nachtlager aufschlagen.

Steintreppe bei Krippen, Malerweg mit Hund, Elbsandsteingebirge, Foto: Franziska Rößner
Es wird richtig spannend! Eine alte Sandsteintreppe bei Krippen. Foto: Franziska Rößner

Ein Tafelberg folgt dem nächsten

Die dritte Etappe unserer Wanderung auf dem Malerweg führt uns vom Kurort Gohrisch zum gleichnamigen Tafelberg, und anschließend geht es hinauf auf den Papststein. Im Biergarten des Gasthauses gönnen wir uns bei herrlichem Ausblick eine kleine Pause. Dann machen wir uns an den Abstieg. Wir streifen das Örtchen Kleinhennersdorf und kommen wenig später hinunter zur Liethenmühle. Die vor fast 450 Jahren errichtete Wassermühle beherbergt heute ein kleines, gemütliches Gasthaus. Diesmal kehren wir nicht ein, sondern folgen der Malerwegsmarkierung weiter nach Krippen. Der kleine Ort in einem Seitental der Elbe war im Frühjahr 1813 für einige Monate Heimat des berühmten Malers Caspar David Friedrich. Während dieser Zeit schuf er sehr viele Skizzen und Studien, die er später in seine zahlreichen Gemälde einfließen ließ. Durch Lehrtafeln an unserem Weg über den Krippenberg nach Reinhardtsdorf sind das Leben und die Werkes dieses bedeutenden Künstlers der Romantik sehr präsent. Am Rand von Reinhardtsdorf entlang wandernd, links von uns immer die zerklüftete Felsenwelt der Schrammsteine vor Augen, kommen wir bald in die Ortsmitte mit der kleinen Kirche. Mit ihren zahlreichen Fresken ist sie ein wahres Kleinod barocker Kirchenbaukunst. Vreni nutzt die Zeit und ruht sich im Schatten eines Busches aus, während ich ehrfurchtsvoll in dem kleinen Gotteshaus stehe und es auf mich wirken lasse. In Gedanken noch immer bei dem wunderschönen Bauernbarock-Kirchlein wandern wir weiter zum Wolfsberg.  In einem kleinen Teich, an dessen Ufer eine dicke Trauerweide steht, finden die Hunde eine willkommene Abkühlung. Dann führt uns der Weg weiter zur Kaiserkrone, die sich über der kleinen Gemeinde Schöna erhebt.  Ein markanter Felsblock an ihrem Fuß diente einst Caspar David Friedrich als Vorlage für sein bekanntes Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“. Wir folgen dem Malerweg hinunter ins Elbtal und setzen in Schmilka auf die andere Elbseite über. Das alte Schifferdorf schmiegt sich, eingebettet in ein kleines Seitental der Elbe, an die bewaldeten Hänge. Einst lebten hier Flößer, Schiffer und Waldarbeiter. Auch eine Getreidemühle wurde errichtet. Sie ist heute das älteste Gebäude des Ortes, beherbergt eine Schaumüllerei und eine Mühlenbäckerei.  Bereits zu Zeiten der Romantik, als namhafte Künstler wie Adrian Ludwig Richter und Caspar David Friedrich auf der Suche nach Inspiration durch die Sächsische Schweiz reisten, war die „Schmilk’sche Mühle“ beliebtes Kunstmotiv. Wir verlassen den beschaulichen Ort und wandern auf dem steilen Bergsteig hinauf auf den Großen Winterberg, dem höchsten Gipfel im Nationalpark Sächsische Schweiz, wo wir im historischen Berggasthaus eine Herberge für die Nacht finden.

Unterwegs im Nationalpark

Der Morgen des vierten Tages begrüßt uns wieder mit strahlendem Sonnenschein, und bevor wir weiter wandern, folgen wir noch einer Empfehlung unserer Wirtsleute. Demnach sollten wir uns den Besuch der nahe gelegenen Kipphornaussicht nicht entgehen lassen. Die schönste Aussicht am Großen Winterberg! In der Tat hat man von hier einen wunderbaren Blick über das Elbtal, die Tafelberge und die bizarren Felsformationen des Schmilkaer Gebietes und der Schrammsteine. Hier oben, auf dem warmen Sandstein sitzend, kann man schnell die Zeit vergessen. Aber wir müssen weiter, und so gehen wir zurück auf den Großen Winterberg und folgen dann dem Malerweg, der uns vorbei am Katzfels und der ebenfalls sehr sehenswerten Goldsteinaussicht hinunter zum Alten Zeughaus führt. Der schattige Biergarten lädt uns zu einer Rast ein, und beim Zwitschern der Vögel genieße ich mein Radler und die einzigartige Landschaft. Nach einer ausgiebigen Pause wandern wir weiter. Bald geht es steil hinunter ins Kirnitzschtal und auf der anderen Seite ebenso steil wieder hinauf. Unser nächstes Ziel ist das Große Pohlshorn. Der Steig zur Aussicht an der Spitze des Felsriffes erfordert etwas Kraxelei – ganz zur Freude meiner vierbeinigen Begleiterin.  Schier endlos erscheinende Wälder liegen uns hier an der Aussicht des Großen Pohlshorns zu Füßen, und die Einsamkeit auf dem Felsriff lädt zum Träumen ein. Doch allzu lange können wir leider nicht verweilen, denn schließlich haben wir ja noch ein Stück Weg vor uns. So brechen wir also auf und wandern zunächst auf dem Bergrücken entlang, bevor wir dann dem Weg nach links hinunter ins Tal folgen. Unten angekommen, freut sich Vreni über die willkommene Abkühlung, die der kleine Bach neben der Straße bietet. Wir folgen seinem Lauf abwärts und erreichen nach einiger Zeit eine weitere, sehenswerte Felsformation, die Kleinsteinhöhle. Das markante Felsentor beeindruckte den Maler Ludwig Richter so stark, dass er es in zahlreichen Radierungen verewigte. Ein bequemer Weg führt uns vom Fuße des Kleinsteins talabwärts bis zur urigen Buschmühle, die uns zur Einkehr lädt. Die Knoblauchforelle wurde uns als Geheimtipp empfohlen, was ich nur bestätigen kann. Fischliebhaber sollten sich diesen Gaumenschmaus auf keinen Fall entgehen lassen! Mit vollem Bauch wandert es sich nicht sehr gut, und zum Glück müssen wir nur noch ein paar hundert Meter auf der Straße entlang zu unserem heutigen Etappenziel, der Neumannmühle, gehen. Im Biergarten lauschen wir dem Rauschen des Wassers und dem Zwitschern der Vögel, bevor wir wieder einmal müde und zufrieden unser Herbergszimmer beziehen…

3763331573 Rother Wanderbuch Wandern mit Hund Elbsandsteingebirge

Wie es weitergeht? Erlebt es selbst – auf Eurer ganz persönlichen Malerweg – Wanderung. Im Rother Wanderbuch „Wandern mit Hund – Elbsandsteingebirge“ wurden die acht Etappen des beliebten Weitwanderweges so umgestellt, dass man sie problemlos auch mit Hunden begehen kann. Auf Schwierigkeiten und Hindernisse wird gesondert eingegangen, damit Eurem Wanderglück auf dem Malerweg nichts mehr im Wege steht.

© Franziska Rößner, Sommer 2017

www.bergwandern-mit-hund.de
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Im Rother-Wanderglück-Blog berichtet Franzi auch über einen Kurzurlaub im idyllischen Vogtland. Doch lest selbst über diese erlebnisreiche Wandertour: 
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