Südtirol lädt mit seiner abwechslungsreichen Landschaft zum Wandern ein. Es gibt wohl alles, was das Wanderherz begehrt. Ob sportlich, abenteuerlich oder geruhsam, die Auswahl an Wandermöglichkeiten unterschiedlichster Schwierigkeiten ist riesig. Gerade deshalb eignet sich das Wanderparadies im Norden Italiens hervorragend für einen Urlaub mit Hund.

Diesen bergerfahrenen Vierbeinern gefällt es sichtlich in Südtirol.

Bergwandern mit Hund in Südtirol

Was gibt es Schöneres als gemeinsam mit seinem geliebten Vierbeiner ausgedehnte Waldwanderungen zu unternehmen, einen aussichtsreichen Gipfel zu besteigen oder gemütlich durch sonnige Täler zu schlendern. Ob im Vinschgau, im Eisack- oder Pustertal, in der Umgebung der großen Städte Bozen und Meran oder in den schroffen Bergen der Dolomiten – jede Region hat ihren eigenen Reiz.

Entspannt wandert es sich auf einem der Waalwege in der Umgebung von Lana und Meran. Hier lässt es sich im Schatten der Laubbäume gut rasten. Abwechslungsreich sind Ausflüge entlang der Weinwege an der Südtiroler Weinstraße. Anspruchsvoller wird es dann schon bei echten Bergwanderungen wie auf dem Knappensteig im hinteren Ahrntal oder zu den Drei Zinnen in den Dolomiten. Zu erholsamen Almwanderungen laden dagegen die Hochflächen der Seiser Alm und Villanderer Alm ein. An den Almen kann man sich an frischer Milch, hausgemachten Käse und anderen Köstlichkeiten der traditionellen Bergbauernwirtschaft laben.

Ahrntal: Nach dem Aufstieg über dem Knappensteig kommt man zum Gletscherbach an der Rötalm.

Doch das Wandern und vor allem das Bergsteigen mit Hund bringen auch neue, ganz besondere Herausforderungen mit sich. Ist der Weg für Hunde geeignet? Wo liegen die Schlüsselstellen auf anspruchsvollen Steigen, und wie sehen diese genau aus? Welche Gehrichtung ist mit Hund am besten geeignet? Gibt es ausreichend Wasserstellen, oder sollte man etwas mehr Wasser mitnehmen? Muss man auf einer Tour mit Weidevieh, speziell mit Kühen rechnen? All diese Informationen können für wandernde Mensch-Hund-Teams sehr wichtig sein. Wir wollen einigen dieser Fragen nachgehen.


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Tipps zur Vorbereitung auf deinen Bergurlaub in Südtirol

Wer sich mit seinem Hund aufmacht, Südtirol zu entdecken, sollte sich gut auf den Wanderurlaub in den Bergen vorbereiten. Am besten gemeinsam mit seinem Wanderhund. Bevor es los geht, sollte man sich ehrlich die Frage beantworten, welche Kondition Herrchen, Frauchen und der Vierbeiner vorzuweisen haben. Wieviel Erfahrung in den Bergen habt ihr? Ist die Fellnase an Treppen, Gitterroste, hohe Brücken und schmale, steile Pfade gewöhnt? Wie ist der Gehorsam? Davon hängt ab, in welchen Wanderregionen, Höhenlagen und Schwierigkeitsgraden ihr die Südtiroler Berge gefahrlos erkunden könnt. Wer schon einige Wochen vor dem Urlaub damit beginnt, auf längeren Gassirunden ein paar Schwierigkeiten einzubauen, lernt sich und die Fellnase besser einzuschätzen. Ganz nebenbei festigen wir dadurch die Mensch-Hund-Beziehung und das Vertrauen ineinander. Balancieren auf einem Baumstamm oder niedrigen Mauer, das Bezwingen von Gittertreppen oder das gemeinsame Besteigen eines Aussichtsturmes in der Nähe dienen als perfekte Vorbereitung.

Bergurlaub mit Hund in Südtirol – Von Leinenpflicht bis Wasserflasche

Andere Länder, andere Sitten – hier ein paar Regeln für deine Urlaubsreise mit Hund, die in Südtirol (italienisch: Alto Adige) zu beachten sind.

Mit Hund nach Italien: Einreisebestimmungen

Wer nach Italien reist, muss einen ordnungsgemäß ausgefüllten EU-Heimtierpass verpflichtend mitführen. Wer einen solchen noch nicht hat, bekommt ihn bei seinem Tierarzt. Die für die Einreise erforderliche Tollwutimpfung deines Hundes muss darin eingetragen sein. Sie muss mindestens 21 Tage und darf höchstens 1 Jahr alt sein. Damit der Vierbeiner eindeutig identifiziert werden kann, muss er einen Mikrochip haben (Ausnahme: Der Hund wurde vor Juli 2011 erstmals gekennzeichnet, dann genügt die Tätowierung).

Leinenpflicht

Wer die herrliche Bergnatur im Norden Italiens unbeschwert mit seinem Hund genießen möchte, sollte noch weitere Punkte beachten:
Vergiss Deine Leine nicht, denn im Alto Adige, genau wie in ganz Italien, herrscht Leinenpflicht. Die Leine darf nicht länger als 1,5 m sein. Für das Wandern in den Bergen kann eine Schleppleine hilfreich sein, die dem Tier ein wenig mehr Bewegungsfreiheit erlaubt. Diese sollte man dann aber nur an einem gut sitzenden Geschirr befestigen, nicht am Halsband.
Sicherlich werden wir auch in Südtirol hin und wieder Hunden im Gebirge begegnen, die nicht an der Leine geführt werden. Legal ist dies jedoch nicht. Den Hund an die Leine zu nehmen, hat auch mit Rücksichtnahme gegenüber anderen zu tun. Der etwas ängstliche Wanderer wird es Dir danken.

Begegnung mit Kühen

So vermeidet man Konflikte: Hunde angeleint und an der kuhabgewandten Seite in ausreichendem Abstand vorbeiführen.

Kühe fühlen sich von freilaufenden Hunden meist bedroht. Gleichzeitig sind Kühe oft recht neugierig. Sollten wir in die Nähe von Weidevieh gelangen, ist es deshalb wichtig, den Hund an der Leine zu führen. Soweit möglich, sollte man die Weide zügig und in gebührendem Abstand zu den Rindern passieren. Besonders kritisch wird es, wenn wir auf Mutterkühe mit ihren Kälbern treffen. Wird der Verteidigungsinstinkt der sonst recht friedlichen Tiere ausgelöst, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Wir haben Dir ein paar Tipps zum Wandern auf beweideten Almen zusammengestellt.

Im Übrigen dient die Leine auch der Sicherheit deines Begleiters: Jäger gehen rigoros gegen freilaufende, vielleicht sogar wildernde Hunde vor.

Maulkorb, Kotbeutel und Wasserflasche

Weiterhin gehören genügend Wasser, Tüten für den Hundekot, ein Erste-Hilfe-Set und ein Maulkorb in den Wanderrucksack. In Südtirol gilt erweiterte Maulkorbpflicht. Ein Maulkorb muss daher immer mitgeführt werden. Er ist nötig für die Beförderung in Bussen und Seilbahnen. Es empfiehlt sich, bereits zu Hause das Anlegen und Tragen eines Maulkorbes zu trainieren.

Das Einsammeln des Hundekots deines Vierbeiners ist eigentlich selbstverständlich. In Südtirol ist es sogar eine Pflicht. Die meisten Ortschaften besitzen Müllbehälter für Hundekot, wo man das Tütchen dann entsorgen kann.

Auch wenn in vielen Gebieten kleine Bäche oder Quellen existieren, sollte unbedingt eine gefüllte Wasserflasche für den tierischen Begleiter mitgenommen werden. Regelmäßiges Trinken ist für Hunde essentiell.

Wetter und lokale Wegverhältnisse

Ebenfalls sehr wichtig: Informiere dich vor Tourstart über die lokalen Bedingungen, Wetter und Wegverhältnisse. Alt- oder Neuschnee, rutschige oder steile Abschnitte, ein Wetterumbruch oder auch nur die falsch eingeschätzte Streckenlänge können die Wandertour zu einer nicht ungefährlichen Strapaze werden lassen. Die Touristeninformationen im Tal und die Hüttenwirte auf dem Berg sind die besten Ansprechpartner und geben gern Auskunft dazu.

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Die besten Wandertouren mit Hund

Spezielle Tourenauswahl für das Wandern mit Hund

Kleine Überraschungen erlebt ein Hundewanderer im Gebirge regelmäßig, sei es eine steile Leiter an einer Felsstufe, eine hohe Hängebrücke über einen reißenden Wildbach oder ein dunkler Stollen auf einem uralten Bergpfad. Wer mit Hund unterwegs ist, sieht die Wanderwelt aus einem anderen Blickwinkel. Daher sind Wandervorschläge von Leuten mit Hund Gold wert.
Das Rother Wanderbuch »Wandern mit Hund Südtirol« enthält eine Vielzahl solcher Tourenvorschläge mit Tipps für Hundefreunde. Unsere erfahrene Hundewanderführerin Franziska Rößner hat alle darin enthaltenen Wandertouren mit ihren Berner Sennenhündinnen vor Ort recherchiert und getestet. Einige ihrer Lieblingsgegenden möchte sie kurz vorstellen.

Unsere drei Lieblingsziele mit Hund in Südtirol

Für den Einstieg in das Bergwandern mit Hund empfehlen sich etwas kürzere Wanderungen ohne allzu große Höhenunterschiede. So kann man sich erstmal in Ruhe gemeinsam an die Höhenlage und die neue Umgebung gewöhnen. Eine gemütliche Wanderung um den Haidersee oder eine Tour zu den Ruinen im Münstertal könnten solche »Eingehtouren« sein. Almwanderungen entlang fröhlich dahinplätschernder Gebirgsbäche und durch idyllische Almwiesen lassen Vorfreude auf höhere Bergtouren aufkommen.

Lieblingsziel #1: Die 1000-Stufen-Schlucht

Auf der 1000-Stufen-Wanderung.

Im Vinschgau befindet sich eine weitere Lieblingstour von uns. Im ständigen Bergauf und Bergab geht es auf dieser abwechslungs- und aussichtsreichen Wanderung an den sonnenbeschienenen Südhängen der Texelgruppe entlang. Diese Wandertour ist zugleich die wohl spektakulärste Etappe des Meraner Höhenweges. Abenteuer pur! Für Wanderer mit Hund gilt dies ganz besonders, denn knapp 1000 steile Stufen, lange Treppen und hölzerne Hängebrücken sind zu überwinden. Das will mit dem Vierbeiner schon vorher ausgiebig geübt worden sein! Für das leibliche Wohl wird entlang des Weges an mehreren Jausenstationen gesorgt. Allerdings werden wir 1000-Stufen-Aspiranten auch teilweise Weidevieh begegnen. Mit der Texelbahn meistern Hund und Frauchen bzw. Herrchen zuletzt knieschonend den Abstieg nach Naturns.

Lieblingsziel #2: Drei-Zinnen-Hütte

Angekommen im Trubel um die Dreizinnenhütte.

Ein Klassiker in den Sextner Dolomiten, aber auch mit Hund geeignet – die Dreizinnenhütte (Rifugio Antonio Locatelli – S. Innerkofler). Eine sehr schöne Wanderroute führt von Sexten über Fischleinboden bis zur Talschlusshütte und dann rechts weiter durch das idyllische Tal unter der beeindruckenden Nordflanke des Einserkofels (Cima Una, 2698 m) entlang bis zum Sattel an der Hütte, die einen wahrlich traumhaften Blick auf die Drei Zinnen freigibt. Übrigens gehört der »Einser« zur »Sextener Sonnenuhr« – vom Fischleintal aus gesehen steht die Sonne um 13 Uhr genau über diesem Gipfel. An der beliebten Berghütte ist immer viel los, besonders in der Hauptsaison. Die Hütte ist im Allgemeinen von Ende Juni bis Ende September geöffnet. Unser Tipp: Wer mit Hund unterwegs ist und nicht unbedingt auf eine Einkehr angewiesen ist, wird in dieser herrlichen Landschaft inmitten des Naturparks Drei Zinnen außerhalb dieses Zeitraumes etwas mehr Ruhe finden.

Lieblingsziel #3: Zur Chemnitzer Hütte

Sommerlicher Neuschnee an der Chemnitzer Hütte.

Ein weiteres tolles Hüttenziel ist die Chemnitzer Hütte. Sie ist deutlich weniger frequentiert als die Berghütten der Dolomiten. Gleich mehrere Möglichkeiten bieten sich für Wanderer mit Hund, um zu dieser liebevoll bewirtschafteten Berghütte vis-à-vis dem Hohen Weißzint (Punta Bianca, 3371 m) aufzusteigen.

Vom Neves-Stausee (Lago di Neves) kann man wenig schwierig zur Chemnitzer Hütte hinaufwandern. Die Höhenmeter halten sich in Grenzen und man kann zwischen einem breiten, gemütlichen Fahrweg und einem schmalen Bergsteig wählen. Der Stausee liegt am oberen Talschluss des Mühlwalder Tals bei Lappach. Das Panorama ist mit den Dreitausendern Hoher Weißzint (3371 m), Großer Möseler (3479 m) und Turnerkamp (3418 m) wirklich überwältigend. Am Stausee entlang zu schlendern, ist ebenfalls eine wunderschöne Wandermöglichkeit. Der Stausee ist ausgehend von Oberlappach auf einer mautpflichtigen Straße zu erreichen. Die Anfahrt ab der Mautstation ist spannend, denn die Straße ist extrem schmal und bis zu 22 % steil mit engen Kurven. Deshalb ist Ampelverkehr ab der Mautstation bis zur Staumauer eingerichtet.

Von Weißenbach aus: Eine etwas längere und in Abschnitten doch ein klein wenig schwierigere Bergwanderung lässt sich von Weißenbach aus über die hübsche Göge Alm mit ihrer kleinen Bergkapelle unternehmen. Für einen bergerfahrenen Hund stellt diese Tour kaum größere Anforderungen.

Und noch ein Hinweis: Wer wenig Bergerfahrung mit seinem Hund besitzt, sollte die anderen Zugänge wie über den Kellerbauerweg oder den Neveser Höhenweg unbedingt meiden. Diese sind bei Wetterumschwüngen problematisch und erfordern sehr gute Kondition und Bergerfahrung. Diese Pfade besitzen teilweise schon alpine Schwierigkeiten mit Geröllfeldern, erhöhter Absturzgefahr, Schnee oder Vereisung.

Blick zurück auf den Neves-Stausee

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Gut informiert starten mit unserem Buchtipp:

Detailliertere Informationen zu den empfohlenen Wanderregionen finden Interessierte in unserem Wanderbuch »Wandern mit Hund Südtirol«.

Noch ein paar mehr Wandertipps und kostenlose Wandervorschläge gibt Franziska Rößner auch auf ihrem Wander-Blog Bergwandern mit Hund. Dort findet man auch eine Auflistung hundefreundlicher Berghütten sowie hundefreundliche Unterkünfte in Südtirol.

Auch hier auf unserem Wanderglück-Blog finden Bergwanderer mit Hund noch mehr interessante Wanderberichte und weitere Tipps zum Wandern mit Hund.

Inspiration zu einem Urlaub in Südtirol (Alto Adige) gibt es ebenfalls in unserem Wanderglück-Magazin.

© Text/ Fotos: Franziska Rößner & Kaj Kinzel

Autor

Kaj hat als Autor im Rother Bergverlag mehrere Wanderführer veröffentlicht. Gelegentlich schreibt er auch auf dem Rother-Wanderglück-Blog. Seine Lieblingsregion ist das Elbsandsteingebirge und das nördliche Böhmen. Viele Jahre war er als Kletterlehrer, Höhlenführer und Leiter eines Familiencamps in der wunderschönen Sächsisch-Böhmischen Schweiz unterwegs. Als Umweltbildner im Nationalpark begeisterte er ganze Schulklassen für die Besonderheiten der heimischen Flora und Fauna. Er kennt sich daher in den Bergen bestens aus. Aktuelles zu seinen Wanderbüchern findest Du unter: www.kaj-kinzel.de

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