Auf Trekkingtouren, Weitwanderungen oder Tagestouren – so reduzierst du das Gewicht deines Rucksacks

Auf Trekkingtouren, Weitwanderungen oder Tagestouren – so reduzierst du das Gewicht deines Rucksacks

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag unseres Autors Christof Herrmann, der auf seinem Blog www.einfachbewusst.de regelmäßig über die Themen Wandern, Minimalismus, Nachhaltigkeit und vegane Ernährung schreibt.

Auf meinen ersten Fernwanderungen, auf dem Nurtschweg und von Forchheim nach Venedig 2012, wog mein Rucksack rund 16 Kilogramm und fasste ein Volumen von fast 60 Liter. Seitdem habe ich viel Erfahrung gesammelt und habe gelernt, was auf einer Etappenwanderung unbedingt dabei sein sollte und was man weglassen kann. Ich war viermal auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest unterwegs, bin den Fränkischen Gebirgsweg gewandert, bin von der Haustüre bis nach Santiago de Compostela gepilgert und habe zahlreiche Tages- und Mehrtageswanderungen absolviert.

Eine leichte Ausrüstung trägt zum Gelingen einer Wanderung bei. Wenn man seinen Rucksack nach dem Motto „Weniger ist mehr“ packt, profitiert man von mehreren Vorteilen:

  • Größerer Aktionsradius. Man verbraucht für die gleiche Strecke weniger Energie. Als Faustregel gilt: Für jedes Kilogramm, das zuhause bleibt, gewinnt man einen Kilometer Wegstrecke. Man kommt also schneller voran, erreicht eher das Ziel oder kann längere Etappen wandern und Abstecher machen.
  • Mehr Freude am Draußensein. Es wandert sich viel angenehmer, wenn keine schwere Last auf Rücken und Gemüt drücken. Im Mittelpunkt stehen das Naturerlebnis und die Outdoor-Aktivität.
  • Gesünder wandern. Schulter, Rücken, Knie und Füße werden deutlich weniger belastet. Das verringert das Risiko, Belastungsschmerzen zu bekommen, sich zu verletzten oder gar den Bewegungsapparat dauerhaft zu schädigen.
  • Mehr Sicherheit. Vor allem bei steilen Abstiegen, an ausgesetzten Stellen und bei Kletterpassagen hat man weniger Probleme. Ein leichter, richtig gepackter Rucksack mit geringem Volumen senkt die Gefahr umzuknicken, zu stolpern und zu stürzen.
  • Besser organisiert sein. Es fällt leicht die Übersicht über seine Ausrüstung zu behalten. Das ständige Kramen und Umpacken gehört der Vergangenheit an.
  • Einstieg in die wunderbare Welt des Minimalismus. Der Rucksack kann als Symbol für das Leben gesehen werden. Je weniger Ballast man beim Wandern und im Leben mitschleppt, desto mehr lässt die Tour und das Leben genießen.

Die folgenden Tipps und Tricks helfen dabei, Ausrüstung und das Gewicht des Rucksacks zu reduzieren. Ich gehe nicht auf spezielle Produkte oder Marken ein, sondern gebe allgemeine Ratschläge. Sie können also gleichermaßen für Fernwanderungen, Pilgerreisen, Trekkingtouren, Tageswanderungen und Rucksackreisen umgesetzt werden.

1. So viel mit wie nötig und so wenig wie möglich

Diese Grundregel ist einfach. Sie umzusetzen, also nur das mitzunehmen, was man wirklich (ge)braucht, ist aber nicht so einfach. Man muss sein Reiseziel, seine Ausrüstung und sich selbst gut kennen. Dafür sind eine detaillierte Planung und auch Erfahrung nötig. Mit der Zeit wird man wissen, was für welche Tour einzupacken ist. Auf Bespaßungen wie den Urlaubskrimi oder den Knopf im Ohr kann man verzichten. Wichtig ist, für Notfallsituationen gewappnet zu sein und einen zuverlässigen Wetterschutz zu haben. Die Ausrüstung sollte sich schon bewährt haben (zumindest auf mehreren Tageswanderungen mit vollem Gepäck). Dazu zählen die Wanderschuhe, der Wetterschutz, ggf. das Zelt und der Kocher, das Erste-Hilfe-Set sowie die Orientierung mit einer sinnvollen Kombination aus Wanderführer, topografischen Karten, Kompass, GPS-Gerät und Smartphone. Als Planungsbasis empfehle ich eine Packliste aus dem Netz heranzuziehen (ich habe z. B. eine für die Alpenüberquerung und eine für den Jakobsweg veröffentlicht). Ich füge in meiner Tabelle noch die Spalten „Kategorie“, „Gewicht in Gramm“, „lebensnotwendig“ und „Bemerkungen“ hinzu. Das hilft, die Übersicht zu behalten, das Gesamtgewicht und das Gewicht der einzelnen Kategorien zu berechnen sowie nach der Rückkehr Notizen zu machen, was sich bewährt hat, was gefehlt hat, was nicht verwendet wurde und was von dem Proviant, dem Brennstoff, der Outdoor-Seife und anderen Artikeln wieder nach Hause gebracht wurde. Diese Erkenntnisse verwende ich dann zur Optimierung der Ausrüstung für kommende Unternehmungen.

2. Bei neuen Ausrüstungsgegenständen auf Gewicht und Volumen achten

Schon aus ökologischen und finanziellen Gründen rate ich davon ab, die gesamte Ausrüstung in einem Rutsch auf ultralight umzustellen. Es macht mehr Sinn und Spaß, nach und nach mit Bedacht das zu ersetzen, was untragbar geworden ist. Wenn man doch einiges neu benötigt oder ersetzen muss, dann sollte man mit den schweren und voluminösen Gegenständen wie Rucksack, Zelt, Schlafsack und Regenjacke beginnen. Nie war es leichter, leicht unterwegs zu sein. Immer mehr Hersteller setzen auf den Leichtgewichtstrend. Die Produkte aus diesem Segment findet man vereinzelt in herkömmlichen Outdoorläden, aber vor allem in Ultralight-Trekking-Webshops. Für alle, die sich für das Thema interessieren gibt es ein Forum, ein Buch und Anleitungen für MYOG (Make Your Own Gear). Man sollte aber keine eierlegende Wollmilchsau erwarten. Wer etwa eine ultraleichte atmungsaktive langlebige nachhaltige Regenjacke mit minimalem Packmaß für wenig Geld sucht, kann lange suchen. Man wird abwägen müssen, welchen Kompromiss man eingehen möchte. Gewicht ist nicht alles. Je nach Einsatzzweck ist ein etwas robusteres Produkt einem auf Leichtigkeit getrimmten vorzuziehen.

3. Leichtgewichtsrucksack, der etwas zu wenig Volumen hat

Mit diesem Trick gewinnt man gleich dreifach: Ein Rucksack mit geringerem Volumen zwingt einen dazu, nur das Nötigste mitzunehmen. Er hat darüber hinaus ein geringeres Eigengewicht. Wenn man sich zudem für einen Leichtgewichtsrucksack entscheidet, spart man nochmal ein paar hundert Gramm, denn diese Modelle sind mit einem einfacheren Tragesystem und mit weniger Schnickschnack ausgestattet. Ich hatte auf meinen letzten Fernwanderungen einen 1,3 kg schweren 32-Liter-Rucksack in Verwendung. Auf meiner Deutschlanddurchquerung werde ich einen Leichtgewichtsrucksack mit fast dem gleichen Volumen wählen, der nur 630 g wiegt. Der erste Eindruck nach ein paar Tagestouren ist überraschend: Der Neue trägt sich bei einem Gewicht von 8 oder 9 kg angenehmer. Erst bei 10 kg oder mehr gewinnt das alte Schwergewicht.

4. Mit Hilfe einer digitalen Küchenwaage packen

Ein T-Shirt kann 80 g oder 200 g wiegen, ein Einmannzelt 700 g oder mehr als das Dreifache. Eine digitale Küchenwaage hilft dabei, verschiedene Ausrüstungsoptionen aufs Gramm genau zu vergleichen sowie einen Überblick zu bekommen, was überhaupt wie viel wiegt. Jedes Gramm kann mehrfach ins Gewicht fallen. Wenn man weniger mitnimmt, kann man einen kleineren Rucksack wählen, der ein geringeres Eigengewicht hat. Weniger Gepäck ermöglicht leichtere Schuhe. Außerdem verbraucht man weniger Energie und man schwitzt nicht so stark. Somit spart man beim Proviant und Wasser weiteres Gewicht ein.

5. Keine Angst vor Schere und Messer

Am besten überlegt man bei jedem Gegenstand, ob man etwas abschneiden kann. Ich habe so schon Wanderbücher, Karten, Kosmetikartikel, Kleidungsetikette und mehr gestutzt. Auch die verschiedenen Bänder am Rucksack sind oft zu lang. Mit einem Feuerzeug lässt sich das Ende verschweißen und franst nicht aus.

6. Kleidung geschickt kombinieren und regelmäßig waschen

Ich staune oft, dass viele ihren halben Kleiderschrank im Rucksack mitschleppen. Ich setze lieber auf leichte Funktionskleidung mit geringem Volumen und trage diese einzeln oder übereinander. Meist habe ich ein T-Shirt und ein Langarmshirt aus Funktionsmaterial, einen dünnen Fleece, einen ultraleichten Windbreaker sowie eine atmungsaktive Regenjacke dabei. Je nach Wind und Wetter trage ich nur eine Schicht oder im Zwiebelprinzip bis zu fünf. Übrigens hat sich noch niemand zu Tode gestunken. Mit Wasser und etwas Outdoor-Seife oder Shampoo bekommt man am Tagesziel die Schmutzwäsche ausreichend sauber. Ausgewrungen und an einer geeigneten Stelle aufgehängt (warme Stube, Wind, Sonne), ist sie am nächsten Morgen wieder trocken. In vielen Unterkünften kann man auf Nachfrage gegen eine geringe Gebühr die Waschmaschine benutzen.

7. Ausrüstungsgegenstände mit mehreren Funktionen

Ein Schlauchtuch kann als Halstuch, Schal, Armband, Stirnband, Haarband, Sturmhaube, Kopftuch und Handtuch verwendet werden. Ein Smartphone ist Telefon, Computer, Fotoapparat, Wanderführer, Navi und Kompass in einem. Schweizer Taschenmesser gibt es mit zusätzlichen Funktionen wie Flaschenöffner, Dosenöffner, Korkenzieher, Schere, Pinzette, Säge und Schraubendreher. Es hilft bei der Vorbereitung kreativ zu sein. Im Notlager habe ich mal einen flauschigen Fleece als Kopfkissen genommen und wunderbar geschlummert, bei Minusgraden haben Socken meine klammen Finger gewärmt und als Couscoussalat-Schüssel, Essnapf, Nottasse, Waschbecken, Aufbewahrungsbox und Schneidebrett nutze ich seit Jahren die gleiche Tupperbox mitsamt Deckel.

8. Mit Ziploc-Beutel und Kompressionssäcken Ordnung halten

Waschbeutel, Hartschalentäschchen, Daypack und Stoffsäcke können sich zu einem Gewicht von bis zu einem Kilogramm summieren. Ich verwende mittlerweile nur noch durchsichtige Ziploc-Beutel und Kompressionssäcke. Die wiegen kaum etwas und schaffen Ordnung und Platz. Wer auf einen Daypack oder Turnbeutel nicht verzichten möchte, findet eine Ultralight-Version mit einem Gewicht von unter 100 g. Pflege- und Hygieneartikel wie Shampoo und Lebensmittel wie Olivenöl in zu großen Mengen oder zu schweren Verpackungen lassen sich gut in Tütchen und Fläschchen ohne Weichmacher umfüllen.

9. Ausrüstung gemeinsam verwenden

Wenn man zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs ist, kann man vieles teilen: Karten, Wanderführer, Kompass, GPS-Gerät, Fotoausrüstung, Smartphone, Taschenmesser, Kocher, Erste-Hilfe-Set, Zahnpasta, Outdoor-Seife usw…

10. Der Synergieeffekt an den Füßen

Hat man weniger Gepäck dabei, kann man leichtere Schuhe tragen. Das lohnt sich richtig. Britische Forscher fanden nämlich im Zuge von Edmund Hillarys Mount-Everest-Expedition heraus, dass das Gewicht am Fuß einem fünffachen Gewicht am Rücken entspricht. Eine Einsparung von einem halben Kilogramm bei einem Paar Schuhe, wirkt sich also aus wie zweieinhalb Kilogramm im Rucksack. Natürlich sollte man trotzdem auf gutes Schuhwerk achten. Wer im Hochgebirge wandert oder schnell umknickt, nimmt lieber knöchelhohe.

11. Die Strecke möglichst gut kennen

Je genauer man weiß, was einen erwartet, desto genauer kann man planen, was mitzunehmen ist, was zu Hause bleibt und was sich unterwegs besorgen lässt. Daher sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Wie lange ist die Strecke?
  • Wie schaut das Höhenprofil aus?
  • Wie schwierig ist das Terrain?
  • Mit welchem Wetter ist zu rechnen?
  • Gibt es Alternativrouten?
  • Wo schlafe ich?
  • Wo kann ich mein Wasser auffüllen?
  • Wie schaut es mit Einkehr- und Einkaufmöglichkeiten aus?

In meinem Wanderführer „Alpenüberquerung Salzburg – Triest“ habe ich versucht, all diese Fragen zu beantworten. Für jede Etappe gibt es genaue Angaben über die Weglänge, die Schwierigkeiten, die reine Gehzeit, die Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten sowie Wasserstellen, Supermärkte, Apotheken, Sportgeschäfte, Geldautomaten und Ärzte. Da man nie genau weiß, wie schnell man vorankommt, sollte eine Notration Energie nicht fehlen. Ich habe meist Nüsse und Trockenobst an Bord, gerne auch in Form von selbstgemachten Riegeln.

12. Ausrüstung vor- oder zurückschicken

Die meisten Fernwanderer, die einen der drei zwischen 3500 und 5000 km langen Triple-Crown-Wege Appalachian Trail, Pacific Crest Trail und Continental Divide Trail in den USA gehen, senden sich selbst Pakete mit Verpflegung und Ausrüstung postlagernd zu, die sie dann in Läden und Postämtern am Trail abholen. Das jeweilige Paket wird dann mit geändertem Inhalt zum nächsten Depot oder auch nach Hause geschickt. Dieser Trick lässt sich auch auf kürzere Touren anwenden. Vor dem Start meiner letztjährigen Fernwanderung von Nürnberg nach Istrien habe ich Freunden bei Salzburg ein Paket mit folgendem Inhalt zukommen lassen: meine Bergstiefel, wärmere Klamotten, den Wanderführer, Wanderkarten, meine Lieblingssonnencreme sowie ein paar weitere Dinge, die ich unterwegs nicht mal eben nachkaufen kann. Dann bin ich leicht und locker von der Haustüre bis nach Salzburg gewandert. Dort haben mir meine Freunde das Paket vorbeigebracht. Nach Überquerung der Alpen ging eine Sendung zurück nach Hause und ich erleichtert dem Mittelmeer und Istrien entgegen.

Bonus: Lass los

Zu viel Kram bereitet Gram – zuhause wie unterwegs. Die Angst, etwas zu vergessen, ist beim Packen schnell für mehrere Kilogramm Gepäck verantwortlich. Entspann Dich! Solange man das zum Überleben Wichtige dabei hat, kann man sich beruhigt zurücklehnen bzw. weiterspazieren. Mehr noch: Je besser man loslässt, desto leichter und freier wird man sich fühlen. Wenn man Deinen Rucksack kaum mehr spürt, fällt auch all der andere Ballast ab. Dann kann man sich erfreuen – an der Reise, an der puren Existenz, an großartigen Kleinigkeiten wie einer bunten Blumenwiese, dem Duft des Waldes oder einem Regentropfen auf der Nase.

Diese Wanderführer von Christof sind beim Rother Bergverlag erschienen:

Rother Wanderführer
Fränkischer Gebirgsweg

In 21 Etappen vom Frankenwald über das Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz zum Nürnberger Land – der Fränkische Gebirgsweg zählt zu den längsten und schönsten Weitwanderwegen Deutschlands. Er ist ausgezeichnet als »Qualitätsweg Wanderbares Deutschland«.

Rother Wanderführer
Alpenüberquerung Salzburg – Triest

28 Tage Natur pur! Vier Länder, drei berühmte Nationalparks und sieben Gebirgsgruppen liegen auf der Route der Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest. Stille Wege, herrliche Aussichten und ein großartiges Finale – das sind die Zutaten dieser Transalp, die viele Wanderer begeistern wird.

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