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April 2020

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Florian Tukker ist seit 2013 Projektmanager für Digitales und Print beim Rother Bergverlag. Von Anfang an war es ihm ein Anliegen, das Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit zukunftsweisend zu unterstützen. Im Beitrag erzählt er, mit welchen Schritten der Verlag für einen achtsamen Umgang mit der Natur einsteht und dabei „grüne Pfade“ beschreitet.

Der Rother Bergverlag ist einer der ältesten und bedeutendsten alpinen Verlage. Wir bei Rother lieben natürlich das „Draußen sein“ und wollen auch, dass möglichst viele Menschen draußen aktiv sind. Voraussetzung dafür ist aber, dass wir die Natur intakt halten. Deshalb möchten wir zu einem sorgsamen Verhalten während der Outdoor-Aktivitäten auffordern.

Insbesondere bei den Wintertouren, also den Ski- und Schneeschuhtouren, achten wir auf naturverträgliche Routen. Viele unserer Titel tragen dementsprechend das Siegel „Natürlich auf Tour“ des Deutschen Alpenvereins. Wir möchten außerdem verstärkt dazu animieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Tour anzureisen. In unseren Tourenführern gibt es ein Symbol, welches anzeigt, ob die Tour mit Bus oder Bahn erreichbar ist. Bei vielen Büchern sind die Touren auch so gestaltet, dass alle Ausgangspunkte gut mit Bus oder Bahn erreichbar sind.

Natürlich möchten auch wir als Unternehmen die Umwelt aktiv schützen. Durch verschiedene Maßnahmen versuchen wir, möglichst umweltfreundlich zu produzieren. Ganz konkret heißt das zum Beispiel beim Buchdruck, dass unsere Tourenführer auf FSC-zertifiziertem Papier gedruckt werden. So stellen wir sicher, dass das Papier aus verantwortungsvollen Quellen stammt. Statt in Fernost lassen wir unsere Tourenführer in Norditalien drucken. Mit dieser Druckerei arbeiten wir schon seit vielen Jahren eng zusammen. Außerdem drucken wir eher kleinere Auflagen nach Bedarf, um Überproduktion zu vermeiden. Wir verzichten bewusst auf Einschweißfolien für unsere Bücher. Im Verlag beziehen wir ausschließlich Ökostrom. Das empfehle ich übrigens auch jedem für zuhause. Der Wechsel ist super einfach und dauert nur wenige Minuten!

Allerdings ist zu sagen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Deswegen ist unser Ziel, Schritt für Schritt den ökologischen Fußabdruck des Verlags soweit es geht zu verringern. Außerdem werden wir verstärkt über naturverträgliches Verhalten bei Outdoor-Aktivitäten aufklären, damit alle die Natur draußen genießen können, ohne ihr dabei zu schaden. In Kooperation mit den Bayerischen Staatsforsten bringen wir dieses Jahr ein Herzensprojekt auf den Weg, bei dem wir selbst tatkräftig zum Einsatz kommen: Wir werden in einer Pflanzaktion ausgewählte Bergwaldflächen im Forstrevier Marquartstein bepflanzen und anschließend die langfristige Pflege der Gebiete übernehmen, um den Aufwuchs der Bäume zu sichern. Leider mussten wir wegen der Corona-Krise unsere Aktion verschieben. Wenn es im Herbst klappt, werden wir natürlich davon berichten.

»Nicht warten, wandern!« heißt es bei unserem Partner Activida Wanderreisen.

Leider ist an Urlaub derzeit noch nicht zu denken – die Corona-Pandemie hält uns alle in Atem, unser normaler (Reise-)Alltag steht auf »Pause«. Wir warten darauf, dass es weitergeht. Auch wenn ein Wanderurlaub im Ausland dieses Jahr wahrscheinlich nicht möglich ist, eine Reise in und durch Deutschland kann genauso reizvoll sein. Und für uns bedeutet das, Wandern in und durch Deutschland.

Dann könnte es schon bald wieder heißen: Wanderroute aussuchen, Proviant vorbereiten und los! Wenn sich das nach den vielen Einschränkungen der letzten Wochen und Monate viele Menschen gleichzeitig denken, ist es besonders wichtig, auf sich und seine Umwelt zu achten – eine intakte Natur ist essenziell für den gelungenen Wanderausflug und jeder Einzelne sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein, diese zu erhalten und durch sein Handeln nicht zu beschädigen.

Wandern ist grundsätzlich nachhaltig. Man bewegt sich zu Fuß und verursacht dadurch keine CO2-Emissionen – oder? Dieser Ansatz ist zwar richtig, doch zu einfach gedacht. Auch bei Wanderreisen kann man der Natur Schaden zufügen. Wir verraten dir, worauf du bei deinen nächsten Wanderreisen achten und wie du deinen Urlaub nachhaltiger gestalten kannst, um das zu schützen und zu erhalten, was wir alle am Wandern so sehr lieben: die Natur.


Nachhaltiger Wanderurlaub – so geht’s!

1. Klimabewusst an- und abreisen

Klar, das Wandern selbst ist „sauber“. Die klimabewusste An- und Abreise wird allerdings schon schwieriger, denn kein Verkehrsmittel kommt ohne umweltschädliche Emissionen aus. Sofern möglich, solltest du aufs Fliegen verzichten und lieber die Anreise mit Bus oder Bahn wählen. Bei einem Wanderurlaub in Deutschland ist das normalerweise kein Problem. Fast alle Activida Wanderziele sind gut ans Bahn- und Busnetz angebunden und und das Activida-Team hilft Dir gerne bei der Planung deiner klimabewussten An- und Abreise.

2. Die richtige Kleidung wählen

Gute Wanderkleidung ist zwar nicht günstig, doch die Investition lohnt sich. Meist können Outdoor-Klamotten über mehrere Jahre hinweg und bei sehr vielen Wandertouren getragen werden. Auf Dauer ist das nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger als sich jede Saison neue, kurzlebige Ausrüstung zu kaufen.
Zudem gibt es mittlerweile viele Firmen, die fair produzierte Wanderkleidung aus umweltschonenden Materialien anbieten, die sogar recyclebar sind.

Hier geht’s zum aktuellen Rother Jubiläums-Gewinnspiel. Eure Chance eine Outdoorjacke von hyphen-sports zu gewinnen, 100% made in Europe und garantiert ohne Schadstoffe!

3. Die Landschaft sauber halten

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass man seinen Müll nicht achtlos in der Natur hinterlässt. Doch leider sieht man immer wieder Verpackungsmüll von Lebensmitteln oder Plastikflaschen im Wald und am Wegesrand liegen, die die Pflanzen- und Tierwelt gefährden. Da man in der Natur selten an Mülleimern vorbeikommt, macht es Sinn, immer einen Müllbeutel im Rucksack dabei zu haben, um den produzierten Müll zu sammeln und später anständig zu entsorgen. Besser wäre es natürlich, wenn erst gar kein Müll entsteht – anstatt also Wasser in Plastikflaschen und abgepackte Snacks zu kaufen, einfach wiederverwendbare Flaschen benutzen und sich vorm Wandern zum Beispiel ein Brot schmieren und in einer Brotdose oder einem Bienenwachstuch einpacken. Dazu eine lose Banane oder ein Apfel für ein super Picknick.

4. Die Natur respektieren

Wir dürfen beim Wandern nicht vergessen: Wir sind zu Gast in der Natur. Wir bewegen uns in den Lebensräumen von Pflanzen und Tieren, die wir nicht stören sollten. Es lässt sich zwar häufig nicht vermeiden, auf ein kleines Pflänzchen zu treten, doch die goldene Regel für die Fortbewegung in der Natur lautet, auf den Wegen zu bleiben. Zudem sollte man den Lautstärkepegel so gering wie möglich halten. Zum einen ist es doch viel schöner, die Umgebung mit ihren natürlichen Lauten zu genießen, zum anderen werden so keine Tiere erschreckt und gestört. Die Activida Wanderreisen werden alle von erfahrenen Wander-Guides geführt, die genau wissen, wie man sich richtig in der Natur bewegt. Außerdem kennen sie sich bestens in ihrer Region aus und wissen zum Beispiel, wo sich Brutgebiete befinden und man sich besonders ruhig und umsichtig bewegen muss.

Du siehst, deinen diesjährigen Wanderurlaub in Deutschland kannst du ganz leicht nachhaltig gestalten. Indem wir alle gemeinsam respektvoll mit der Natur umgehen, schaffen wir es sie zu schützen und zu erhalten. So können wir sie noch lange bewundern und beim Wandern Freiheit, Ruhe und Gelassenheit finden. Genau das Richtige, nach einer Zeit wie dieser.

Activida bietet Wander- und Trekkingreisen in Europa und auf die Kapverden in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und von 7 bis 15 Tagen Reisedauer in kleinen Gruppen. Sowohl das Landprogramm als auch alle Transporte in die Zielgebiete werden über atmosfair kompensiert. Damit wird sichergestellt, dass bei einer Reise mit Activida außer des Fußabdrucks des Wanderschuhs nichts hinterlassen wird!


Wir haben Stephanie Stickel, die Illustratorin unserer Wanderbücher »ErlebnisWandern mit Kindern« gebeten sich vorzustellen. Dabei hat sie uns gleich gezeigt, wie Rothi überhaupt entsteht und in unsere Bücher kommt. Wirklich faszinierend, wie mit ein paar »Pinselstrichen« der quirlige Rothi so lebendig wird. Schaut selbst!

„Hallo, mein Name ist Stephanie Stickel, ich bin in Heidenheim geboren und aufgewachsen. Ich habe Kunst und Sport an der Kunstakademie Stuttgart und an der Universität Stuttgart studiert.

Danach habe ich ein Jahr in einer Werbeagentur gearbeitet, bevor mein Sohn und dann meine Tochter auf die Welt gekommen sind und ich mich ausschließlich der Familie gewidmet habe. Seit 2007 wohnen wir in Südfrankreich und 2009 habe ich mich als Illustratorin selbstständig gemacht.

Seitdem meine Kinder „groß“ sind lebe ich fast ausschließlich für meine Kunst. Sobald die Auftragslage es zulässt, arbeite ich an meinen persönlichen Kreationen. Z.B. eigene Bücher, kleine Kompositionen am Klavier oder Illustrationen für andere eigene Projekte. Für die sozialen Medien z.B. fotografiere ich regelmäßig und illustriere auf die Fotos ein kleines Mädchen, um Eindrücke und Stimmungen der einzelnen Tage festzuhalten. Sie begleiten mich somit täglich, wie ein Tagebuch. Diesen Enstehungsprozeß halte ich oft in Speedpainting-Videos fest, die ich in Kombination mit meiner Musik auf Facebook, Instagram oder YouTube teile.

Und so sieht es aus, wenn ich für den Rother Bergverlag das Murmeltier Rothi entwerfe … “

Die Familie Soeffker unterwegs an der grünen Grenze zwischen Deutschland und Österreich

Eduard Soeffker, geb. 1969, ist Jurist und freiberuflicher Wanderbuchautor und lebt mit seiner Familie im Süden von München im Pfaffenwinkel. Überwiegend gemeinsam mit seiner Frau Sigrid (46), gelernte Handelsfachwirtin, hat er in einem Zeitraum von 10 Jahren sechs Erlebniswanderbücher und ein Kinderwagenbuch im Rother Bergverlag veröffentlicht. Die Bücher umfassen jeweils 30-40 Touren, ein angehängter Serviceteil gibt zusätzlich viele Freizeittipps.

Im Jahr 2011 und 2013 wurden die Soeffkers für ihre Erlebniswanderbücher mit dem ITB BuchAward in der Kategorie »Reisen mit Kindern« ausgezeichnet.



Grund genug, Herrn Soeffker und seine Frau einmal zu fragen, wie es zu der Idee kam, Wanderbücher für Kinder zu schreiben und wie sie dabei vorgehen. Wir haben unser Murmeltier Rothi losgeschickt, um die beiden zu interviewen:

Wie seid Ihr überhaupt auf die Idee gekommen, Wanderbücher für Familien mit Kindern zu schreiben und wie seid Ihr zum Rother Bergverlag gekommen?

Eduard Soeffker: „Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt“, hörten wir jahrelang in den Werbeeinspielungen einer großen deutschen Bankengruppe. Das trifft auch auf mich zu. Allerdings wäre ich bis zum Jahr 2007 nie auf die Idee gekommen, ein Wanderbuch zu verfassen.

Nein, ich war ab den 1990er-Jahren einer ganz anderen Leidenschaft erlegen: dem Barfußwandern. Ich fand es spannend, immer besser auf blanken Sohlen unterwegs zu sein, den Untergrund zu spüren, ein neues Sinnesorgan geschenkt zu bekommen. Auf einmal konnte ich fühlen, wie weich das Moos, wie rau die Rinde eines umgestürzten Baumes, wie kühl und feucht das Gras auf den schattigen Wegstücken und wie warm und angenehm die in der Sonne liegenden Stellen waren. Ich freute mich darüber, dass im neuen Jahrtausend die Barfußparks wie Pilze aus dem Boden schossen und viele Menschen das Barfußgehen ausprobierten. Im Februar 2007 hatte ich dann plötzlich die fixe Idee, ein paar Wanderbuchverlage anzuschreiben und zu fragen, ob sie mit mir ein Barfußwanderbuch für das Alpenvorland mit seinen Bergen machen wollten. Völlig unerwartet fanden zwei der zehn angeschriebenen Verlage das Thema nicht uninteressant und ein Verlag, der Rother Bergverlag, wollte sogar ein Exposé mit einem Inhaltsverzeichnis zugeschickt bekommen. Jetzt war ich Feuer und Flamme. Im Jahr 2007 verbrachte ich jede freie Minute mit der Suche nach und dem Abwandern von Touren und 2008 veröffentlichte ich schließlich unter Mithilfe meiner Frau im Rother Bergverlag mein Barfußbuch. Das Medieninteresse war phänomenal, selbst die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte einen ganzseitigen Artikel zum Buch, es folgten mehrere Radio- und Fernsehbeiträge. Trotz der großen Medienpräsenz verkaufte sich das Buch zwar passabel, aber nicht dem Aufwand für Tourensuche und Marketing entsprechend. Da hatte ich die nächste Idee. Da meine Kinder jetzt im wanderfähigen Alter waren und sich viele der Barfußtouren für eine Wanderung mit Kindern eigneten, schlug ich dem Verlag vor, ein Kinderwanderbuch für das gleiche Gebiet zu machen. Damit konnte ich gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: 1. meiner neuen Leidenschaft, ein Buch auf den Weg zu bringen, frönen, 2. meine Familie für das Wandern zu begeistern und 3. auch das Thema Barfuß weiter zu verbreiten. So entstand das erste Buch der »Erlebniswandern mit Kindern«- Reihe für die Münchner Berge.

Eure Kinder haben ja einen großen Anteil am Erfolg der Bücher. Sie versprühen auf den vielen Fotos Lebensfreude und Spaß am Wandern. Waren sie von der Idee, Wanderbücher zu machen, begeistert? Und habt Ihr sie von Anfang an mit eingebunden, zum Beispiel bei der Auswahl der Touren?  

Am Duracher Wasserweg. Aus dem Wanderbuch »ErlebnisWandern mit Kindern Allgäu«

Sigrid Soeffker: Unsere Kinder sind quasi mit den Büchern groß geworden. Da war es für sie eigentlich ganz normal, dass die Familientouren in einem Buch veröffentlicht werden. Aber sie fanden es natürlich immer spannend, z. B. auch weil sie bei den Radio- und Fernsehreportagen, die es auch zu den Erlebniswanderbüchern gab, mit dabei sein durften. Begeistert waren sie, weil wir so viele tolle Sachen erlebt haben. Die Kinder haben wir bei der Auswahl der Touren nicht mit eingebunden, wir haben ihnen aber vorher immer gesagt, was sie bei der jeweiligen Tour alles erwartet und so die Vorfreude geschürt. 

Wie sucht Ihr speziell für Familien geeignete Touren aus?

E.S.: Die Auswahl und Planung der Touren nimmt viel Zeit in Anspruch, da wir Wert darauf legen, dass die Wanderungen möglichst über Stock und Stein verlaufen, über eine gute Einkehrmöglichkeit verfügen und ein besonderes Kinderhighlight aufweisen.

Fantastischer Blick auf den Klaussee und die Südseite der Zillertaler Alpen.
Aus dem Wanderbuch »Erlebniswandern mit Kindern Südtirol«

S.S.: Wir holen uns gelegentlich schon Inspirationen aus anderen Wanderbüchern, wir bekommen aber auch viele Tipps von anderen Familien, recherchieren viel im Internet und rühren dann den ganzen Topf einmal um, sodass am Schluss eine Tour rauskommt, die in ihrer Vielseitigkeit meist noch nirgendwo anders beschrieben wurde.

Wie läuft ein Tag unterwegs ab? Geht Ihr erst allein ohne Kinder oder wird die Tour gleich mit der gesamten Familie erwandert und getestet?

Koblatsee Ende Juli.
Aus dem Wanderbuch »Erlebniswandern mit Kindern Oberstdorf – Kleinwalsertal«

E.S.: In aller Regel gehen wir gleich mit der ganzen Familie los. Allerdings nur bei sonnigem Wetter. Fotos bei tristem Grau in Grau machen sich nämlich ganz schlecht im Buch. Unsere Fotoapparate haben wir umhängen, um jede Wegverzweigung und jedes Wanderschild bildlich festzuhalten und natürlich auch, um sofort für einen Schnappschuss bereit zu sein. Notiert wird bei uns nichts. Aus den vielen Fotos und dem vor Ort aufgezeichneten GPS-Track lässt sich die Wegbeschreibung auch noch Monate nach dem Abgehen der Tour perfekt beschreiben. Wir versuchen, die Wanderung in einem Tag komplett zu erfassen, was aber nicht immer klappt, z. B. wenn wir uns entscheiden, die Wanderung wegen zu viel Schnee auf halber Höhe abzubrechen oder ein Gewitter aufzieht. Meist haben wir zu diesem Zeitpunkt schon genügend Fotos für das Buch, sodass ich zu diesen Touren dann alleine noch ein zweites Mal fahre, den restlichen Weg abgehe und noch ein paar Panoramafotos oder Fotos von vorbeikommenden Familien schieße. Selbstverständlich werden alle vorher gefragt, ob sie ins Buch kommen wollen – bisher hat aber noch niemand abgelehnt.

Mit der Wanderung ist es noch nicht getan, denn zu Hause geht die Aufbereitung am Computer weiter. Was muss hier noch alles erledigt werden?

S.S.: Ja, jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Die etwa 500 gemachten Fotos pro Tour werden auf den Computer übertragen, die besten 10 bis 20 in eine separate Datei kopiert und mit einem Bildbearbeitungsprogramm voroptimiert. Der ebenfalls auf den Computer kopierte GPS Track wird auf eine digitale Karte gelegt, manuell angepasst, da z. B. im Wald oder unter hohen Felswänden der Originaltrack etwas wackelig daherkommt, mit Wegpunkten versehen und beschriftet. Danach erfolgt ein Ausdruck der digitalen Karte, in die dann für den Kartografen noch Einkehrmöglichkeiten, Parkplätze, Varianten oder weitere Kartendetails wie Spielplätze oder Wickelmöglichkeiten eingetragen werden.

Gischtende Wasserfall in der Bürser Schlucht ein. Aus dem Rother Wanderbuch »Erlebniswandern mit Kindern Dreiländereck Bodensee«

E.S.: Anschließend nehmen wir mit Hilfe des GPS-Tracks und den vielen Fotos eine exakte Tourenbeschreibung vor, bei der auf jede Verzweigung eingegangen wird. Bezeichnungen von Weilern, Bächen oder umliegenden Bergen werden recherchiert und in die Tourenbeschreibung integriert, wobei wir darauf achten, auf Gefahrenstellen, aber auch auf Kinderhighlights, wie Spielmöglichkeiten am Wasser, hohle Kletterbäume oder ähnliches hinzuweisen. Anschließend wird die Einleitung zur Tour, der Hallo-Kinder-Kasten, der Highlight-Kasten (mit Kurzbeschreibung der Attraktionen wie z. B. Kletterwald oder Sommerrodelbahn) und die Informationen für die Kurzinfo mit genauer Anfahrt inkl. Navi-Angabe, Anfahrt mit Bus und Bahn, Öffnungszeiten von Bergbahnen und Hütten usw. geschrieben.

Wie lange dauert es von der Recherche bis zur Abgabe des Manuskripts im Verlag? Wie viele Abende »opfert« Ihr nach Eurer normalen Arbeit als Jurist und Handelsfachwirtin für die Erstellung eines Wanderbuchs?

S.S.: Man darf nicht vergessen, dass selbst nach Fertigstellung aller Touren noch der Einleitungstext mit Besonderheiten der Region und der Freizeitteil mit Attraktionen in der Nähe der Touren, wie Schwimmbäder, Spielplätze, Sommerrodelbahnen o. ä., verfasst werden müssen. Bis zur Abgabe des Manuskriptes vergeht so bei uns etwa ein Jahr, wobei das dafür, dass wir quasi nebenbei in Vollzeit unserem Hauptberuf nachgehen, ziemlich schnell ist. »Geopfert« wird bei uns übrigens kein einziger Abend, denn uns macht die ganze Sache nach wie vor großen Spaß. Man muss allerdings schon sehr diszipliniert sein. Wenn man nur jeden Abend gemeinsam insgesamt eine Stunde investiert, summiert sich das aufs Jahr gesehen bereits auf eine Arbeitszeit von 9 Wochen (bei einer 40 Stunden-Woche).

Was ist das Besondere, wenn man mit Kindern wandert und »nebenbei« auch noch ein Buch entsteht? Könnt Ihr Euch an besonders lustige oder schöne Erlebnisse erinnern? Und ist es manchmal auch stressig – Kinder sind ja nicht immer gut gelaunt und motiviert?

E.S.: Bei unserem ersten Buch waren wir noch nicht so routiniert, da kam bei den Kindern schon mal Unmut auf, wenn Papa oder Mama zum dritten oder vierten Mal » … und Action« riefen – der Startschuss dafür, das gleiche Wegstück wieder und wieder für das perfekte Foto abzulaufen. Mittlerweile läuft das viel besser. Wir versuchen, ganz nah an den Kindern dran zu bleiben, und haben viel schneller im Blick, was und wer sich gerade gut als Fotomotiv eignet, sodass wir viele Bilder direkt aus der Situation heraus schießen können. Unmotiviert waren unsere Kinder fast nie, was daran liegt, dass wir die Kinder auf keinen Fall überfordern, spannende Wege abseits von Schotterpistenhatschern aussuchen, lange Spielpausen machen, uns Zeit für sie nehmen und meistens in die Wanderung für sie noch ein Highlight einbinden oder nach der Tour noch etwas ganz Besonderes ansteuern. Das kann eine Sommerrodelbahn, ein großer Abenteuerspielplatz oder ein Freizeitbad sein. Mit zunehmendem Alter hat sich das natürlich etwas gewandelt. Mittlerweile ist es so, dass – wenn unsere Kleinste keine Lust hat, sich eines der größeren Kinder »erbarmt«, mit dem Papa loszuziehen – nicht ganz uneigennützig, schließlich dürfen dann die »Führerschein-mit- 17-Inhaber« und die Fahranfänger mit dem Van zum Ausgangsort und wieder zurückfahren.

Auf dem Moorpfad durch das Wiesfilz. Aus dem Rother Wanderbuch
»Erlebniswandern mit Kindern Münchner Umland«

Schöne und lustige Erlebnisse hatten wir viele, besonders im Gedächtnis geblieben sind uns allen aber vor allem die eindrucksvollen Erlebnisse in der Bergwelt. Die Kinder erzählen auch heute noch begeistert vom Bad im eiskalten Bergsee in 2000 Meter Höhe oder einem gigantischen Wasserfall, der so gestaubt hat, dass beim Fotografieren die kalte Wassergischt das warme Handydisplay springen ließ. Oder von dem spannenden Klettersteig am Besler, auf dem alle »bis auf den Papa« wie die Gämsen hinaufgekraxelt sind, und natürlich von der heißen Barfußschnellballschlacht Ende April, bei sonnigen 20 Grad Celsius unterhalb der Kappeler Alp mitten in einem Schneefeld. Besonders beeindruckt waren wir auch, als unsere damals fast zweijährige Tochter in ihrer Kleinkindsprache noch Tage später immer wieder »Höhe, Höhe« vor sich hinsagte, weil sie so begeistert von der Sturmannshöhle im Allgäu mit dem unterirdischen Bach war. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir durch die glückliche Fügung, ungeplant zu Wanderbuchautoren geworden zu sein, so viele tolle Naturschönheiten und so wunderschöne »Fleckchen Erde« gesehen haben, die wir ohne den selbstauferlegten Druck, immer noch ein weiteres Buch schreiben zu wollen, sicherlich nicht erlebt hätten.

Liebe Frau Soeffker, lieber Herr Soeffker, vielen Dank für das Interview.

Mittelerweiler ist die Reihe »Erlebniswandern mit Kindern« auf 20 Bücher angewachsen. Daneben führt der Rother Bergverlag auch die Rother Wanderbuchreihen »ErlebnisUrlaub mit Kindern« sowie »Wandern mit dem Kinderwagen«.

In der sechsten und aktuellen Auflage des Buches »ErlebnisWandern mit Kindern – Münchner Berge« stellen Eduard und Sigrid Soeffker erlebnisreiche, von Kindern getestete Wanderungen für die ganze Familie vor. Als Entscheidungshilfen für die Tourenauswahl bietet das Buch Altersempfehlungen, Angaben zum Schwierigkeitsgrad und zur Gehzeit sowie die »Highlights« für Kinder zu jeder Tour. Detaillierte Wegbeschreibungen mit Fotos, Höhenprofilen und Karten machen das Wandern einfach, GPS-Daten stehen zum Download zur Verfügung. Zusätzlich zu den Wanderungen werden in einem angehängten Serviceteil auch 17 lohnende Freizeit- und Schlechtwettertipps vorgestellt – von Erlebnisbädern über Waldseilgärten und Sommerrodelbahnen bis hin zum Schloss Neuschwanstein.

Immer mehr Kletterer und Bergsportler erleben Yoga als perfekte Ergänzung zum Bergsport. Denn um den Körper im Gleichgewicht zu halten ist, es nicht nur wichtig, die Muskulatur zu kräftigen, sondern auch ihre Beweglichkeit zu erhalten. Während der Wintermonate ist Yoga nicht nur eine perfekte Trainingsmöglichkeit für zu Hause, es hilft uns den Kopf frei zu bekommen und unser Wohlbefinden zu steigern. Petra Zink, unsere Autorin von »Yoga für Kletterer und Bergsportler« stellt euch ein paar Übungen vor.

“Ich habe schon vor dem Coronavirus sehr viel Zeit zu Hause in meinem Homeoffice verbracht, neu ist jetzt, dass mir mein Ehemann jetzt oft als Bürokollege gegenübersitzt und hin und wieder mit mir über den Bildschirmrand zu flirten versucht. Auch das tägliche gemeinsame Mittagessen ist neu. Die Aufgabenverteilung in der Küche und die Menügestaltung sind meistens nicht ganz klar und enden manchmal mit einem »Ich bin nicht deine Kantine!« von mir.

Besonders schön jedoch finde ich, dass meine täglichen Yogaeinheiten jetzt auch oft zu zweit passieren. Da mein Mann ein leidenschaftlicher Kletterer und Skitourengeher ist, fehlt ihm im Moment der Auslauf. Damit ihm die Decke nicht auf den Kopf fällt und er „unrund“ läuft, ist es für ihn besonders wichtig, die Yogamatte auszurollen. So kann er in seine inneren Landschaften eintauchen und dadurch Gelassenheit, Vertrauen, Stabilität und vielleicht auch das Gefühl von Freiheit von innen heraus kultivieren. Und zusätzlich hat er noch das Gefühl, dass er seinem Körper etwas Gutes tut und ein bisschen beweglicher wird. Beim Klettern wird dann hohes Antreten und weites Ausspreizen zukünftig zum Kinderspiel werden. Und durch mehr Drehbeweglichkeit im Brustkorb wird sein Bewegungsspielraum und seine Reichweite am Felsen größer werden.

Daher möchte ich zur Abwechslung einmal nicht meine, sondern Roberts liebste Yogaübungen vorstellen:

Kleiner Hund – entlastet die Hals- und Lendenwirbelsäule und kräftigt zugleich die Schultermuskulatur.

Halbes Happy Baby – bietet eine mobilisierende Massage für die Hüftgelenke.

Unterstützter Twist – öffnet den Oberkörper bei Verspannungen im Brustwirbelbereich.

So wie man die Zeit jetzt möglicherweise dazu nutzt, um Arbeiten im Haus zu erledigen, die lange liegen geblieben sind, kann man die nächsten Wochen vielleicht auch dazu verwenden, das bei Bergsportlern meistens etwas vernachlässigte Thema Beweglichkeit anzugehen.”

Viel Spaß beim Üben!

Das Buch von Petra Zink »Yoga für Kletterer und Bergsportler« gibt es beim Rother Bergverlag zu bestellen. Es stellt 54 ausgewählte Yogaübungen vor, die sich den beanspruchten Körperpartien von Bergsportlern widmen: Handgelenke, Schultern, Rücken, Hüften – in verschiedenen Übungsvarianten für Anfänger und Fortgeschrittene. Zusätzlich hat Petra Zink speziell abgestimmte Übungssequenzen für Boulderer, Sport- und Alpinkletterer, Bergsteiger und Skitourengeher zusammengestellt. Übt man jeweils exakt die vorgeschlagene Sequenz, ergibt das eine etwa 30-minütige Yoga-Routine, die auch als Video zur Verfügung steht.