Weitwandern #1: Warum ich das Fernwandern liebe

Posted by on Mai 23, 2016 in Uncategorized Tagged: | No Comments

Christof Herrmann, Autor des neuen Rother Wanderführers »Alpenüberquerung Salzburg – Triest«, ist wie kein anderer ein Kenner beim Thema Fernwandern. In seiner Freizeit ist er immer und überall unterwegs, schreibt Tourenführer und berichtet von seinen Erlebnissen auf einfachbewusst.de. Lasst euch von seiner Begeisterung fürs Weitwandern anstecken und lest hier seinen Blogbeitrag:

Bild 1_Rother_Alpenueberq Salzburg Triest_Etappe07 In den Salzburger Schieferalpen_Copyright Stephanie Spoerl

„Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge.“ (Miguel de Cervantes)

Wandern ist mobile Meditation

Ich wandere für mein Leben gern. Beim Wandern bin ich der Natur so nah und kann ich mich so schnell entschleunigen wie bei keiner anderen Fortbewegungsart und Freizeitaktivität. Die landschaftlichen Reize und leisen Töne der Natur ersetzen die alltäglichen Reize wie Computer, Musik, Fernsehen, ständige Erreichbarkeit und Betriebsamkeit, Straßenlärm und Menschenansammlungen, die uns nach und nach krank machen. Die Langsamkeit und Natürlichkeit wirkt auf mich meditativ. Wandern ist mobile Meditation. Ich empfinde dies besonders in anspruchsvollem Gelände, etwa wenn ich in den Alpen einen Berg erklimme und mich dabei auf meine Schritte und Atmung konzentriere. Stehe ich schließlich auf dem Gipfel, ist mein Kopf frei und mein Herz offen. Ein derartiges Glücksgefühl hat man unten im Tal respektive im Alltag nicht so schnell.

Königsdisziplin Fernwandern

Das Fernwandern ist so etwas wie die Königsdisziplin des Wanderns. Es ist auch unter dem Begriff Weitwandern bekannt und bezeichnet eine mehrtägige oder mehrwöchige Tour, bei der man jede Nacht an einem neuen Ort schläft. Im Laufe der Zeit überbrückt man große Strecken. Ganze Länder können per pedes durchquert und kennengelernt werden. „Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert“, sagte schon Goethe. Da ich flexibel bleiben möchte, reserviere ich möglichst keine Unterkünfte. Beim Aufbrechen am Morgen weiß ich meist nicht, wo ich abends lande. In unserer geregelten Welt hat das etwas Abenteuerliches.

Reich wie ein Scheich und frei wie ein Vogel

Beim Fernwandern komme ich meinem Ideal eines minimalistischen Lebens am nächsten. Alles, was ich in den Wochen unterwegs benötige, passt locker in einen 32-Liter-Rucksack. Alles, was ich in dieser Zeit zu tun habe, ist mich fortzubewegen, mich zu (ver)pflegen, eine Bleibe für die Nacht zu finden und mich hin und wieder bei meinen Lieben zuhause zu melden. Obwohl ich also kaum etwas bei mir habe, fehlt es mir an nichts. Ich fühle mich reich wie ein Scheich und zugleich frei wie ein Vogel. Diese Erfahrung kann einen lehren, auch nach der Rückkehr einfacher zu leben und sich wieder mehr den für einen selbst wichtigen Dingen zu widmen.

Oft ganz unverhofft: Begegnungen mit Menschen

Wie im Alltag sind auch auf Fernwanderungen Begegnungen mit Menschen das Salz in der Suppe des Lebens. Startet man als Paar oder in einer Gruppe, gibt es reichlich Gelegenheit, sich auszutauschen. Ist einem der Austausch zu reich, kann man sich an der nächsten Steigung dezent zurückfallen lassen. Ich bin auch mehrmals alleine gestartet. Einsam habe ich mich nie gefühlt. Zum einen war stets Leben in Form von Flora und Fauna um mich herum, zum anderen kam es oft ganz unverhofft zu Begegnungen. Ein Bauer auf dem Feld, mit dem ich ein paar Worte wechseln konnte. Ein Hüttenwirt, der Interessantes über seine Bergregion erzählte. Ein Wanderer, der in die gleiche Richtung ging. Ist man auf einem Fernwanderweg unterwegs, kann es sein, dass dieser Wanderer das gleiche Etappenziel oder sogar das gleiche Ziel der gesamten Tour hat. Ich freue mich immer, auf ein bekanntes Gesicht zu treffen. Mit manchen bin ich tagelang zusammen gewandert, einige davon zähle ich mittlerweile zu meinen Freunden.

7 Fernwanderungen in 4 Jahren

Bild 2_Cover Alpenueberquerung Salzburg Triest

All das klingt so, als wäre ich als Fernwanderer geboren worden. Auch wenn ich seit meiner Kindheit gerne und viel wandere, war die 133 km lange Tour auf dem Nurtschweg im Frühling 2012 meine erste richtige Fernwanderung. Es war Liebe auf den ersten Schritt. Seitdem habe ich mehrere Fernwanderungen unternommen. Im Sommer des gleichen Jahres bin ich von meiner Haustüre aus nach München und weiter auf dem Traumpfad München-Venedig über die Alpen marschiert. Wie es mir dabei ergangen ist, kannst Du in meinem kostenlosen E-Book nachlesen. In den letzten drei Sommern war ich auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest unterwegs. Ich habe sie selbst ausgearbeitet und beschreibe sie in einem Wanderführer, der im Mai 2016 im Bergverlag Rother erscheint. Im gleichen Verlag gibt es bereits mein Buch über den Fränkischen Gebirgsweg, den ich im Frühling letzten Jahres gegangen bin. Heuer habe ich noch eine Tour auf dem
Pandurensteig im Bayerischen Wald gemacht.

Nach der Tour ist vor der Tour

Ich kann es kaum erwarten, 2016 wieder mit wenig Gepäck und viel Lust am Unterwegssein zu starten. Eine Tour soll mich ins Mittelgebirge führen, eine zweite in die Alpen. Ich werde mich diesmal nicht groß vorbereiten und auch keinen Wanderführer schreiben. Ich werde das um mich herum bestaunen und neugierig darauf sein, was mich hinter der nächsten Kurve erwartet. Kurzum, ich werde Vergnügen am Fernwandern haben.

Warst Du schon fernwandern? Wenn ja, wo? Und planst Du für 2016 eine Tour?

Bild 3_Rother_Alpenueberq Salzburg Triest_Etappe10 Herzog-Ernst-Spitze_Copyright Katharina Ott

Dieser Artikel erschien erstmalig auf Christof Herrmanns Blog www.einfachbewusst.de am 19. Dezember 2015.


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